Kultur mit politischem Ende


Am inzwischen gestrigen Samstag trieb mich das schöne Wetter ins Museum. Richtig, es gibt im letzten Satz keine Logik, aber das macht ja nichts. Das Museo Nacional Centro del Arte Reina Sofia ist eines der drei großen Kunstmuseen Madrids und einen Besuch wert - davon konnte ich mich während eines ca. zweistündigen Schnupperbesuchs überzeugen.

Zeitgenössische Kunst stand - da Thema des Museums - auf dem Programm, wozu ich heute, und hier finden wir wieder Logik, wenn auch vielleicht keinen Sinn, trotz des überaus schönen Wetters mal Lust hatte. Doch wenn man hier in Madrid sich seine Freizeitgestaltung nur vom Wetter vorgeben ließe, dürfte man gar überhaupt keine Zeit mehr in Gebäuden verbringen. Davon abgesehen: Gibt es zwischen der Bedeutung der Begriffe Sinn und Logik eigentlich einen Unterschied? Philosophen und andere Geisteswissenschaftler, klärt uns auf!

Zurück zur Kunst. Da man für die staatlichen Museen in Madrid von Samstag Nachmittag bis Sonntag Nachmittag (sonntags ist hier um 14:30 Uhr Schluss) keinen Eintritt zahlt (!), hatte ich ob keines rausgeschmissenen Geldes durchaus kein schlechtes Gewissen, dass ich erst gegen 19 Uhr meinen Rundgang durch die Dauerausstellung begann (das Museum schließt um 21 Uhr). Überhaupt bin ich nicht gerade der Museumstyp, der gerne sieben Stunden durch Gemäldgalerien latscht. Zwei bis drei Stunden sind mir da weitaus lieber, wobei es manche Museen schaff(t)en, mich auch länger verweilen zu lassen, etwa das Getty Center in Los Angeles oder das Jüdische Museum Berlins - nicht aufgrund ihrer Größe übrigens, sondern wegen der Aufbereitung des Darzustellenden. Sehr gerne gehe ich übrigens in kleine(re) Museen, z.B. hege ich sehr positive Erinnerungen an das "Brücke-Museum" in Berlin, das ein Kleinod des Deutschen Expressionismus ist, ans Picasso-Museum in Münster, wo viele seiner Zeichnungen, Grafiken und Drucke ausgestellt sind, ans Musée d'Orsay in Paris (Stichwort: Impressionismus) oder an die Pinakothek der Moderne in München, wobei die beiden letzteren zwar nicht gerade klein sind, doch immerhin nicht so erschlagend wirken wie die Kolosse des Louvre oder der Museen des Vatikans. Soviel zu meinen musealen Präferenzen.

Die interessierte Leserschaft soll nun nicht denken, ich sei in kunsthistorischen Dingen besonders bewandert. Nein, das bin ich wirklich nicht, vielmehr würde ich mich in Sachen Film, Literatur und Bildender Kunst als Banause bezeichnen. Doch das muss ja nicht so bleiben - und eingedenk dessen wandelte ich gestern also durch einen Teil der ausgedehnten Räumlichkeiten des Museo Reina Sofia.

Mein (vorläufiges) Fazit des Museums, das ich an dieser Stelle vorwegnehmen möchte, ist: Wer nach Madrid kommt, sollte da rein! Zwar ist die didaktische Aufbereitung nicht ganz so prickelnd (es fehlen z.B. englische Bildtitel u.ä.), aber das wird ausgeglichen durch die fantastische Kollektion der dargestellten Kunstwerke. Ganz klare Schwerpunkte in der Werkauswahl der dargestellten Künstler liegen, so jedenfalls mein Eindruck nach meinem Teilrundgang, auf den spanischen Surrealisten Dalí und Miró sowie - wie könnte es anders sein - auf Picasso. Was mir durchaus gefällt, gefallen mir doch zum einen die meisten Werke jener Herren in ganz vorzüglichem Maße, zum anderen sind es schließlich drei der bedeutendsten Vertreter der europäischen Malerei des 20. Jahrhunderts die man einfach kennen muss (sagt der Banause!), so dass eine solche Kumulation solcher Großmeister auf solch engem Raume eine willkommene Hilfe bei der Erweiterung der Kenntnis über die Malerei darstellt... Es sei hier erwähnt, dass im Museo Reina Sofia beispielsweise das wohl berühmteste Bild Picassos, "Guernica", zu bewundern ist.

Wer nun ein wenig über meinen persönlichen Geschmack - an dieser Stelle nur bezogen auf die im gestern von mir besichtigten Museum präsentierten Künstler - wissen will, der soll an einer vielleicht etwas plumpen Bewertung teilhaben, die ich mir bei der Besichtigung angemaßt habe: Die Maler oder Bildhauer der Werke, die mir irgendetwas sagten, bekamen einfach pauschal eine Note von mir (Skala des MSS-Systems: 0-ungenügend, 15-sehr gut(+)). Erläuterungen oder Begründungen gibt es an dieser Stelle nicht. Wer sich allerdings bewandert glaubt in Kunstdingen, streitbar ist und somit über Geschmack zu streiten sich nicht scheut, möge sich frei fühlen, Kommentar oder Kritik zu äußern und mit mir in einen Disput zu treten...

Hier also die Ergebnisse der gestrigen Pauschal-Bewertungen:

  • Pablo Picasso - 14
  • Joan Miró - 15
  • Salvador Dalí - 15
  • Benjamín Palencia - 13
  • Daniel Vázquez Díaz - 11
  • Cristóbal Ruiz Pulido - 11
  • José Gutiérrez Solana - 9
  • Hermenegildo Anglada-Camarasa - 12
  • Georges Braque - 11
  • Fernand Léger - 12
  • Juan Gris - 11
  • Diego María Rivera - 11
  • Joaquín Torres García - 12
  • Jacques Lipchitz - 12
  • Julio González - 12
  • Le Corbusier - 12

Politisches Ende

Kaum hatte ich meinen Mueumsgang beendet, empfing mich auch schon eine Demonstration auf dem dem Museum vorgelagerten Platz. Und als hätte man geahnt, dass der Vogelwart, der sich doch gerade so viel mit dem Klimawandel beschäftigt, auch gerade da ist, war das Thema der Demo ganz offensichtlich der Klimawandel - Greenpeace, WWF, Trommelgruppen, eine Menge spanischer Ökos und Teile aller Bevölkerungsschichten waren zusammengekommen, um gegen Kohlendioxidausstoß zu demonstrieren. Bravo! Ich bin dann trotzdem nach Hause gegangen.

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Comments

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  1. hanna says:

    du wolltest ja kommentare: einen ganzen abschnitt darüber, welche museen du schon besucht hast? wie nennt man das: intellektuell-kulturelle angeberitis? ;-)

  2. vogelwart says:

    Also liebe Hanna,
    nun kannst du es nennen, wie du willst, wenn ich von meinen bisherigen Museumserfahrungen schreibe. Ich habe übrigens einige nicht genannt, wie etwa das Deutsche Museum in München, das Frankfurter Städel, das Los Angeles County Museum of Art, das Museo Borghese und die Kapitolinischen Museen in Rom, das Römisch-Germanische Museum in Köln, das Haus der Geschichte in Bonn oder auch die Naturkundemuseen in Wien, Los Angeles, Köln und Frankfurt. Es waren noch ein paar mehr, aber das soll hier mal reichen :-).
    Aber es ist doch nun einmal der Sinn eines Blogs, eigene Erfahrungen, Erlebnisse und Bewertungen der Öffentlichkeit preiszugeben, und wenn ich über meine bisherigen (nach meinem Eindruck eher mauen) Kunsterfahrungen schreibe, dann darf es mir doch gestattet sein, jene in einen bewertenden Erlebniskontext einzubetten, oder?
    Aber darüber hinaus: Ist ein Blog nicht ohnehin ein Forum für eine gewisse Selbstexhibitionitis, um in deinem Jargon zu bleiben...?
    Liebe Grüße
    Christian

  3. Daniel Kunz says:

    Hey Vogelwart, altes Haus,

    habe eben durch Zufall deinen Blog entdeckt und ich bin schwer bekleistert. Es hat zwar noch nicht ganz den bissigen Unterton wie deine legendären "Hofberichte", aber was noch nicht ist, ne...?

    So, dann hat es dich also nach Madrid verschlagen, das ist ja auch nicht das schlechteste, vor Allem politisch gesehen....

    Ich hoffe es geht dir gut da unten und alles läuft so, wie du es dir vorstellst.

    Bis bald hoffentlich mal wieder

    Daniel


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