{"id":114,"date":"2008-09-17T07:19:00","date_gmt":"2008-09-17T07:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=114"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"grandioses-symphonieerlebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2008\/09\/17\/grandioses-symphonieerlebnis\/","title":{"rendered":"Grandioses Symphonieerlebnis"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<div align=\"justify\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0282.jpg\"><!-- s9ymdb:140 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0282.thumb.jpg\" width=\"51\" height=\"110\"><\/a>Nach dem Jubil\u00e4umsprojekt des Landesjugendchores Rheinland-Pfalz (LJC) im letzten <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0347.jpg\"><!-- s9ymdb:141 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0347.thumb.jpg\" width=\"65\" height=\"110\"><\/a>Oktober (<a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/archives\/84-Ein-Jubilaeum-der-besonderen-Art.html\">wir berichteten)<\/a> war es mir in der vergangenen Woche verg\u00f6nnt, an einem Musikereignis aktiv teilzuhaben, welches in der Reihe von mir miterlebter musikalischer Projekte seinesgleichen sucht. Der LJC war eingeladen, gemeinsam mit dem derzeit auf Welttournee befindlichen Venezolanischen Jugendorchester &#8220;Sinf\u00f3nica de la Juventud Venezolana Sim\u00f3n Bol\u00edvar&#8221; unter der Leitung des Nachwuchs-Stardirigenten Gustavo Dudamel die Auferstehungssinfonie von Gustav Mahler mitzugestalten &#8211; in Konzerten <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0607.jpg\"><!-- s9ymdb:144 --><\/a>in Ludwigshafen und im Rahmen des Lucerne Festivals, einem der renommiertesten Musikfestspiele der Welt.<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div class=\"serendipity_imageComment_left\" style=\"width: 110px;\">\n<div class=\"serendipity_imageComment_img\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0476.jpg\"><!-- s9ymdb:143 --><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0476.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"74\"><\/a><\/div>\n<div class=\"serendipity_imageComment_txt\">Luzern<\/div>\n<\/div>\n<p>Zusammen mit dem Chor der Musikhochschule Mannheim sowie den Solistinnen Jane Henschel (Alt) und Janice Watson (Sopran) waren wir an der Ausf\u00fcllung des vokalen Parts von Mahlers 2. Sinfonie beteiligt. Der Chorpart erstreckt sich dabei nur auf den 5. Satz und damit die letzten ca. 15 Minuten des Werkes, das schon allein von der Instrumentierung her herk\u00f6mmliche sinfonische Kost in den Schatten stellt: Das venezolanische Jugendorchester war mit ca. 200 Musikern angereist &#8211; darunter 25 Erste <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0384.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><!-- s9ymdb:142 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0384.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"74\"><\/a><!-- s9ymdb:142 -->Violinen, 14 Kontrab\u00e4sse, 4 Posaunen, 10 H\u00f6rner, &#8220;doppeltem Holz&#8221;, 2 mal 4 Kesselpauken, gro\u00dfer Trommel, 2 Tamtams, 2 Harfen und Orgel &#8211; um einen kleinen quantitativen Eindruck von der mahlerschen Orchestrierung zu geben. Mit unserem etwa 130k\u00f6pfigen Chor konnten wir da nur <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0681.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><!-- s9ymdb:145 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0681.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"42\"><\/a>begrenzt dagegenhalten. Die S\u00fcdamerikaner waren u.a. auf Einladung (und, wie wir auch, auf Kosten des BASF-Konzerns) zun\u00e4chst nach Ludwigshafen angereist, um dort jene Mammut-Sinfonie als Benefizkonzert aufzuf\u00fchren. Das Orchester ist gewisserma\u00dfen die &#8220;Creme de la Creme&#8221; des in aller Welt hochangesehenen Projektes Venezuelas, jedem Kind &#8211; gerade auch aus den darbenden Armutsvierteln &#8211; die Erlernung eines Instrumentes zu erm\u00f6glichen. Vielen von <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0715.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><!-- s9ymdb:147 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0715.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"74\"><\/a>diesen jungen Instrumentalisten wird durch diese kulturelle und soziale F\u00f6rderung eine Perspektive gegeben &#8211; so hat der \u00fcberwiegende Teil des Orchesters in der Musik in Form eines Instrumentalstudiums seine Zukunft gefunden. Gustavo Dudamel, der 27j\u00e4hrige Nachwuchsstern am globalen Dirigentenhimmel und bereits als neuer Bernstein gehandelt, ist selbst aus <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0749.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><!-- s9ymdb:148 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0749.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"54\"><\/a>dem Orchester hervorgegangen. Vor etwa 10 Jahren nahm der Geiger sich in einer Probenpause, die ihm zu lang wurde, den Taktstock des Dirigenten und stellte sich an dessen Pult, um die Probe fortzusetzen &#8211; der Beginn einer rasanten und \u00fcberaus steilen Karriere, die ihn bis dato als Chefdirigent nach G\u00f6teborg und als Gastdirigent an die Pulte der Spitzenorchester der Welt f\u00fchrte. Im n\u00e4chsten Jahr \u00fcbernimmt er die Leitung des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Doch die mediale Aufmerksamkeit f\u00fcr seine Person hat offenbar noch nicht negativ auf sein Gem\u00fct abgef\u00e4rbt &#8211; davon durften wir uns \u00fcberzeugen: Mit einer bescheidenen Herzlichkeit behandelte er sowohl Chor und Solistinnen als auch seine &#8220;muchachos&#8221; &#8211; in der Partynacht nach dem Schweizer Konzert hatte er genau wie wir Spa\u00df in einer verrauchten Luzerner Salsa-Bar und f\u00fchrte uns durch die Nacht von Kneipe zu Kneipe. Doch nicht nur durch Sympathie \u00fcberzeugte er, sondern auch durch seine musikalische Arbeit, insbesondere mit dem Orchester. Wie oben anhand der Orchestrierung bereits angedeutet, bietet Mahler in seiner zweiten Sinfonie die gesamte F\u00fclle der Klangfarbenpalette auf, um, so k\u00f6nnte man es vielleicht zusammen fassen, den Kampf zwischen Glaube und Unglaube, zwischen Gott und Teufel, zwischen H\u00f6lle und Himmel, zu schildern. Dies manifestiert sich vor allen Dingen im <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0607.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/\/DSC_0607.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"56\"><\/a>letzten Satz des Werks, in dem das theologische Spannungsfeld die zu allerh\u00f6chsten Voltzahlen heraufgedehnt wird. Da sind brodelnde H\u00f6llenstrudel, bei dem Celli und Kontrab\u00e4sse nah am Zerhacken ihrer Instrumente vorbeischrappern, da sind Donnerschl\u00e4ge und Blitze, bei dem Becken und Tamtam ein Fest der metallischen Klangspitzen entfachen und an dem auch schonmal ein Paukenschl\u00e4gel zerbricht (so geschehen w\u00e4hrend der Ludwigshafener Auff\u00fchrung). Da bieten Posaunen, Tuba und Kontrafagott eine schauerliche Strahlkraft auf, die einen geradezu in die Tiefen des Hades hinabgeleiten. Doch wenn nach dem erhabenen, schlichten, beinah heiligen Posaunenchoral sich dann Geigen, Harfen und H\u00f6rner im Durklang vereinen, in das Fl\u00f6ten und Trompeten einstimmen, und obendran Triangel, Piccolotriller und Becken anschlie\u00dfen, dann \u00f6ffnet sich (zumal bei einer so brillianten Akustik wie im Luzerner Festspielhaus) wahrhaftig der Himmel. Ich wage zu mutma\u00dfen, dass Menschen, denen der <a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0697.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><!-- s9ymdb:146 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/DSC_0697.thumb.jpg\" width=\"74\" height=\"110\"><\/a>Glaube an Gott eher fern liegt, hier eine Ahnung er\u00f6ffnet wird, wie Gott und sein Himmelreich erfahrbar werden k\u00f6nnen. Das ganze eben unter dem Dirigat Gustavo Dudamels miterleben zu k\u00f6nnen, der aus dem Orchester wahrlich alles Machbare herausholt &#8211; kitzelt, schl\u00e4gt, s\u00e4gt, drischt, wringt, streichelt, reibt, hievt, sticht, lockt, der im dritten Satz nur mit den Augenwinkeln die Eins\u00e4tze gibt, w\u00e4hrend er sich im Dreivierteltakt in die Musik schmiegt, ist ein Erlebnis besonderer Art, dessen Beschreibung sich hier nur in Andeutungen ersch\u00f6pfen kann. Dem Chor bleibt es dann \u00fcberlassen, das vorher rein klanglich Erlebte in Worte zu kleiden: &#8220;Was entstanden ist, das muss vergehen, was vergangen, auferstehen&#8221;, &#8220;Auferstehn, ja auferstehn wirst Du mein Staub nach kurzer Ruh&#8221; &#8211; aus dem Nichts des a-cappella-Pianissimo kommend und sich steigernd bis zu einer auskomponierten Fortissimo-Ekstase &#8220;zu Gott wird es Dich tragen&#8221;, in dessen Finale zu allem \u00dcberfluss die Orgel einstimmt, so dass ein 350k\u00f6pfiger Klangk\u00f6rper im Wahrsten Sinne des Wortes Pauken und Trompeten das Leben nach dem Irdischen beschw\u00f6ren. Wem dies hier zu dick aufgetragen ist, dem kann ich leider auch nicht helfen &#8211; au\u00dfer mit der Empfehlung, sich die Auferstehungssinfonie tats\u00e4chlich mit Mu\u00dfe und anhand einer guten Aufnahme zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren.<br \/>\nDank f\u00fcr dieses Musikerlebnis der besonderen Art geb\u00fchrt der BASF f\u00fcr die finanzielle Unterst\u00fctzung und logistische Durchf\u00fchrung des Projektes, sowie &#8211; von mir pers\u00f6nlich &#8211; allen organisatorisch (namentlich nenne ich hier gerne unseren LJC-Gesamtleiter Albrecht Schneider) und musikalisch Mitwirkenden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nach dem Jubil\u00e4umsprojekt des Landesjugendchores Rheinland-Pfalz (LJC) im letzten Oktober (wir berichteten) war es mir in der vergangenen Woche verg\u00f6nnt, an einem Musikereignis aktiv teilzuhaben, welches in der Reihe von mir miterlebter musikalischer Projekte seinesgleichen sucht. Der LJC war eingeladen, gemeinsam mit dem derzeit auf Welttournee befindlichen Venezolanischen Jugendorchester &#8220;Sinf\u00f3nica de la Juventud Venezolana &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2008\/09\/17\/grandioses-symphonieerlebnis\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;Grandioses Symphonieerlebnis&#8221;<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=114"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1280,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114\/revisions\/1280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}