{"id":121,"date":"2009-02-07T16:11:43","date_gmt":"2009-02-07T16:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=121"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"es-strahlt-der-schoepfung-grosser-klang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2009\/02\/07\/es-strahlt-der-schoepfung-grosser-klang\/","title":{"rendered":"Es strahlt der Sch\u00f6pfung gro\u00dfer Klang"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/\/DSC_0384.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"74\">&#8220;Huch!? Was soll denn das?&#8221;, wird sich nun die eine oder der andere aus der gesch\u00e4tzten Leserschaft denken. &#8220;Da schicken wir den Vogelwart zum Studieren, um Biologe und ein Sch\u00fcler <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Darwin\">Darwins<\/a> zu werden; da promoviert er in der weiten Welt vor sich hin und \u00fcber des Klimas Wandel und dessen Auswirkungen auf die Verteilung der Tiere in Raum und Zeit; da ist er Doktorand am <a href=\"http:\/\/www.macroecology.ku.dk\">Zentrum f\u00fcr Makro\u00f6kologie und Evolution<\/a>; und obendrein feiert der Vater aller modernen Biologie, in deren vielf\u00e4ltigem Terrain ja ganz gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dobzhansky\">Theodosius Dobzhanskys<\/a> Wort nichts Sinn macht ohne eine Betrachtung im Lichte der Evolution, dieser Tage seinen 200. Geburtstag \u2013 und was lesen wir da im Blog? Einen Lobgesang auf die Sch\u00f6pfung!?&#8221; Nein, nicht doch. Wer denkt, ich folge dem kreationistischen Irrglauben oder falle den nicht minder irrenden Apologeten des Intelligent Design anheim, der irrt. Die Evolution ist eine Tatsache, und wer dies abstreitet, der hat, bei allem Respekt, den Unterschied zwischen Glaube und wissenschaftlicher Erkenntnis (was zu vereinbaren durchaus gelingen mag!) nicht verstanden. Aber darum soll es hier ja gar nicht gehen. Vielmehr sollen diese Zeilen eine andere Sch\u00f6pfung besingen, und zwar eine musikalische. Denn im Jahr 1809, in dem Charles Darwin, der sp\u00e4tere Sch\u00f6pfer einer revolution\u00e4ren Theorie, im englischen Lande das Licht der Welt erblickte, schied in Wien ein Sch\u00f6pfer gro\u00dfartiger Musik dahin. Es war <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Haydn\">Joseph Haydn<\/a>, der nach reichem musikalischem Schaffen, welches, ganz wie Darwins Werk f\u00fcr die Naturwissenschaften, nachhaltige Wirkung auf nachfolgende Musikergenerationen entfalten sollte, unter anderem im Bereich der Sinfonik, was sich in den viers\u00e4tzigen Werken von Beethoven \u00fcber Brahms bis Bruckner widerspiegelt, im Alter von 77 Jahren verstarb. Nun begab es sich, dass hier in Madrid neben all den in Funk, Fernsehen und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/themen\/wissen\/wissenschaft\/evolution\/index\">Feuilleton<\/a> aufzufindenden Beitr\u00e4gen zu Darwins Verm\u00e4chtnis das Sinfonische Orchester und der Chor des RTVE (Radiotelevisi\u00f3n Espa\u00f1ola) zu Ehren des \u00f6sterreichischen Komponisten \u2013 ganz nach dem Motto &#8220;Lobet den Herren, alle Haydn&#8221;&nbsp; ein Konzert veranstalteten. Auf dem Programm stand Haydns ber\u00fchmtes Oratorium <!-- s9ymdb:142 --><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Sch%C3%B6pfung\">&#8220;Die Sch\u00f6pfung&#8221;<\/a>, und da zu allem \u00dcberfluss der Konzertsaal lediglich drei Gehminuten von meiner Wohnung beheimatet ist, wohnte ich doch ganz spontan mal jener Auff\u00fchrung bei. Und was soll ich sagen: Es war ein grandioses Erlebnis \u2013 <a href=\"http:\/\/www.helmuth-rilling.de\/\">Hellmuth Rilling<\/a>s Dirigat f\u00fchrte die Ensembles und Solisten zu einer Glanzleistung, die ich im Nachhinein nicht werde missen m\u00f6gen.<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Vorweggeschickt sei, was ich soeben kurzerhand nachlas, dass n\u00e4mlich &#8220;Die Sch\u00f6pfung&#8221; neben Haydns &#8220;Jahreszeiten&#8221; die Kr\u00f6nung seines Vokalwerks ist und, so wie seine Sinfonik sp\u00e4tere Generationen beeinflusste, den Boom des Oratorien- und Chorschaffens im 19. Jahrhundert begr\u00fcndete. Das mag so sein oder nicht, Tatsache ist, dass man dies nach dem bewussten Konsum des Werks ganz und gar nachvollziehen kann. Doch abgesehen von seinem musikalisch-theoretischen Wirkungsgrad ist Haydns Werk schlicht und einfach ein Prachtst\u00fcck. Die Sch\u00f6pfung ist so reich an Ausdruck, an theologischer Tiefgr\u00fcndigkeit, an feingliedriger musikalischer wie verbaler Poesie, an virtuosem Klangspiel, dass sie einfach vollendetes Vergn\u00fcgen bereitet. Das beginnt sogleich bei der Vorstellung des Chaos durch das Orchester, wonach der Erzengel Raphael (Bass) die Finsternis beschreibt, doch als dann Raphael und der Chor Gott das Licht werden lassen, leuchtet der Klangstrahl so hell und klar, dass der Uriel (Tenor), der zweite im Erzengelterzett, sich nur melodi\u00f6s freuen kann \u00fcber das Schwinden der gr\u00e4uliche Schatten. Nun will ich mich hier mitnichten durch das gesamte Libretto dichten, sondern es mit einigen Highlights bewenden lassen &#8211; nicht ohne jedoch den Ausf\u00fchrenden die notwenige Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Da seien zuvorderst die Solisten erw\u00e4hnt, die eine au\u00dferordentlich gelungene Besetzung waren. Insbesondere Nathan Berg, der Raphaels (und im dritten Teil Adams) Bass verk\u00f6rperte, f\u00fcllte seine Rolle gl\u00e4nzend aus \u2013 zumal wenn man ber\u00fccksichtigt, dass der im Gegensatz zu seinen Kollegen die Ausspracheh\u00fcrden der Verse als Nichtmuttersprachler zu bew\u00e4ltigen hatte, was ihm \u00fcbrigens nicht besser h\u00e4tte gelingen k\u00f6nnen. Kurioserweise war dann aber gerade das Wort &#8220;unaussprechlich&#8221;, welches doch tats\u00e4chlich in einem Adam-Rezitativ im dritten Teil vorkommt, zwar wohl nicht unaussprechlich, aber doch des Kanadiers Herkunft nicht in G\u00e4nze verbergend von demselben ausgesprochen. \u00dcberhaupt darf ich an dieser Stelle die wirklich hervorragende Ausspracheleistung auch des Chores lobend hervorheben! Den deutschen Chor m\u00f6cht&#8217; ich seh&#8217;n, der ein spanisches Zigeunerlied so auf den Punkt bringt wie die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger des RTVE-Coro Haydns Sch\u00f6pfungsgeschichte \u2013 Respekt, meine Damen und Herren! Doch zur\u00fcck zur Solistenleistung \u2013 Nathan Berg wusste wirklich, was er da sang und aussprach. Als er im Terzett (Nr. 27) des zweiten Teils berichtet, dass der Herr den Odem wegnehme, versagte dem mitf\u00fchlenden Zuh\u00f6rer beinah der Atem, in solch pr\u00e4sentem Pianissimo wusste Berg jene Passage ersterben zu lassen. Und als er zuvor (ganz eingedenk Darwins) die zoologische Abteilung pr\u00e4sentiert, geht er in der grollenden W\u00fcrde des L\u00f6wen so auf wie in der geschmeidigen List des Tigers, in der stolzen Pferdest\u00e4rke so wie im rosaroten, doch etwas tumben, Idyll der abgeteilten Wiederk\u00e4uerherde. \u2013 Mein Biologengewissen kann nun allerdings doch nicht anders, als diese Passage des Rezitativs Nr. 21 hier hineinzuf\u00fcgen, so sehr l\u00e4sst sie das Zoologenherz (und vielleicht auch das des gemeinen Lesers) h\u00f6her schlagen. Da berichtet der Engel Raphael:<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<blockquote><p><i>Gleich \u00f6ffnet sich der Erde Scho\u00df<br \/>\nund sie gebiert auf Gottes Wort<br \/>\nGesch\u00f6pfe jeder Art<br \/>\nin vollem Wuchs und ohne Zahl.<br \/>\nVor Freude br\u00fcllend steht der L\u00f6we da.<br \/>\nHier schie\u00dft der gelenkige Tyger empor.<br \/>\nDas zack&#8217;ge Haupt erhebt der schnelle Hirsch.<br \/>\nMit fliegender M\u00e4hne springt und wieh&#8217;rt<br \/>\nvoll Muth und Kraft das edle Ross.<br \/>\nAuf gr\u00fcnen Matten weidet schon<br \/>\ndas Rind, in Herden abgetheilt.<br \/>\nDie Triften deckt, als wie ges\u00e4t,<br \/>\ndas wollenreiche, sanfte Schaf.<br \/>\nWie Staub verbreitet sich<br \/>\nin Schwarm und Wirbel<br \/>\ndas Heer der Insekten.<br \/>\nIn langen Z\u00fcgen<br \/>\nkriecht am Boden das Gew\u00fcrm.<\/i><\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<p align=\"justify\">Herrlich! Gerade die letzten Zeilen sind auch eine kompositorische Ohrenweide \u2013 die langgedehnten, tiefen Bogenstriche der Streicher lassen ganze Heerscharen von Regenw\u00fcrmern, Raupen, Blindw\u00fchlen und \u2013 wenn wir auf den Meeresgrund hinabtauchen \u2013 Seegurken und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Echiurida\">Echiuriden<\/a> um die Ohren kriechen. (Ob das Gew\u00fcrm und die langen Z\u00fcge auch was mit Herrn Mehdorn und den Machenschaften im Vorstand der Deutschen Bahn AG zu tun hat, sei an dieser Stelle dahingestellt).<\/p>\n<p align=\"justify\">An manchen Stellen h\u00e4tte man sich Herrn Berg durchaus auch als E-Bassisten einer coolen Rock- oder Bluesband vorstellen k\u00f6nnen, so wenig konnte er sein insgeheimes Pulsieren mit den coolen Haydnrhythmen verbergen. Der einzige Wehmutstropfen an seiner Rolle war, dass ihm f\u00fcr den Konzertraum, der arg trocken und auch athmosph\u00e4risch f\u00fcr das Werk nicht gerade der geeignetste war, die F\u00fclle eines Bryn Terfel oder (gerade in der Tiefe) eines Kurt Moll fehlte, doch soll dies keinesfalls als eine&nbsp; Schm\u00e4lerung seiner Leistung begriffen werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit demselben Problem hatte auch Julia Sophie Wagner zu k\u00e4mpfen, deren wundersch\u00f6ner Sopran an den Stellen, an denen das Orchester aufzuspielen, aber sie dennoch zu begleiten hatte, leider eher unterging. Die F\u00fclle so mancher Chor-Primadonna fehlte ihr \u2013 klanglich wie (gottlob!) auch optisch \u2013 und ihre 29j\u00e4hrige Jugend trug sicher auch ein wenig dazu bei, dass es ihr f\u00fcr diesen Raum und dieses Werk an mancher Stelle an Kraft mangelte. Doch war sie an vielen anderen Stellen eine wirklich hervorragende Besetzung: Wenn auch ihr <i>Adlerstolz <\/i>(Arie Nr. 15) aus den genannten Gr\u00fcnden ein wenig blass verflog, so verhalf sie der Taubenliebe (&#8220;<i>und Liebe girrt das zarte Taubenpaar&#8221;<\/i>) so zartf\u00fchlend und liebreizend zum Erklingen, dass das Glitzern des Sternenstaubs auf ihren engelsgleichen Wangen sp\u00fcrbar wurde. Und die Verse, die im dritten Teil jedem Chauvinisten ein frohlockendes Grinsen ins Gesicht malen (<i>&#8220;O du, f\u00fcr den ich ward! \/ Mein Schirm, mein Schild, mein All! \/ Dein Will&#8217; ist mein Gesetz.&#8221;<\/i>), und das gesamte Duett sang sie einfach so engelsgleich, so zauberhaft und einfach zum Verlieben, dass es mir ein R\u00fchrungstr\u00e4nchen in den Augenwinkel setzte. Dass bei den ersten Menschen auch die Erotik nicht zu kurz kam, wusste \u00fcbrigens offenbar auch schon Haydn, denn wer bei Adams Vers &#8220;Wie labend ist der runden Fr\u00fcchte Saft&#8221;, der dem S\u00e4nger sichtlich Freude bereitete, nur an Obst denkt, dem mag seine Unbedarftheit zum Segen gereichen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der dritte im Engelbunde der Solisten \u2013 Lothar Odinius \u2013 soll freilich nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Er war vom stimmlichen Volumen und von der Klangentfaltung her der einzige, dem die miese Akustik des Saals sozusagen wurscht war und der seinen Tenor einfach unbefangen in die Weite str\u00f6men lie\u00df. Wunderbar hell und klar gab er den lyrischen Passagen des Erzengels Uriel die n\u00f6tige W\u00e4rme (<i>&#8220;Mit leisem Gang und sanftem Schimmer \/ schleicht der Mond die stille Nacht hindurch&#8221;<\/i>, Nr. 12), herrlich lie\u00df er im gleichen Rezitativ mit dem n\u00f6tigen Pathos den Glanz der Sonne erstrahlen, und prachtvoll vollbrachte er den Bericht zur Menschwerdung in seiner Arie im zweiten Teil, wenn er auch den <i>&#8220;K\u00f6nig der Natur&#8221;<\/i> ein kleinwenig zu scheppernd herauspresste. Dar\u00fcberhinaus war das Anschleifen der hohen, lauten T\u00f6ne, das an wenigen Stellen eine fein-feierliche Nuance darstellte, an den meisten der Stellen ein kleinwenig \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ausdr\u00fccklich m\u00fcssen die (leider von Haydn nicht h\u00e4ufiger verwendete) Terzette und damit der Zusammensang der drei Solisten gew\u00fcrdigt werden. Die Pr\u00e4zision der Absprachen, die unglaubliche Ausgewogenheit der Klangf\u00e4rbung, die dynamische Synchronit\u00e4t, ja einfach die gesamte vollendete Harmonie der drei Stimmen waren ein solcher Hochgenuss, dass in diesem Punkte meines Erachtens selbst die mir bekannten ber\u00fchmten Aufnahmen unter Bernstein von 1990 (Solisten: Bleger, Moser, Moll) und Harnoncourt 1986 (Gruberova, Protschka, Holl) in den Schatten gestellt werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dass Hellmuth Rilling an dieser Leistung nicht ganz unbeteiligt war, sondern im Gegenteil ihr Hauptanteilseigner, ist sicher keine gewagte These. Rilling, der mittlerweile 75j\u00e4hrige Gr\u00fcnder und Leiter der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%A4chinger_Kantorei\">G\u00e4chinger Kantorei<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.bachakademie.de\/\">Internationalen Bachakademie<\/a> Stuttgart, bestach nicht nur durch sein bei aller Schlichtheit hochpr\u00e4zises Dirigat, sondern vor allem durch das Gesamtkunstwerk der Interpretation. Er sorgte sowohl zwischen Chor und Orchester als auch innerhalb der Ensembles f\u00fcr eine perfekte Ausgewogenheit (dass die Ten\u00f6re bei manchem Fortissimo-Einsatz etwas zu st\u00e4hlern dr\u00f6hnend daherkamen, liegt zweifelsohne eher kaum am Dirigat \u2013 diese Bemerkung sei mir als nicht unerfahrener Chors\u00e4nger und -tenor mit einem Augenzwinkern gestattet), trieb den Klangk\u00f6rper genau da zu energischer Rasanz oder zu ruheatmendem Pianissimo, wo die Musik das jeweilige verlangte \u2013 erstere etwa im Schluss des Schlusschors des ersten Teils <i>&#8220;Die Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes&#8221;<\/i>, letztere etwa in bereits erw\u00e4hntem <i>&#8220;Du wendest ab dein Angesicht, \/ da bebet alles und erstarrt. \/ Du nimmst den Odem weg, \/ in Staub zerfallen sie.&#8221;<\/i> (im Terzett Nr. 27). \u00dcbertriebenes Pathos und Effekthascherei liegen Rilling nicht \u2013 das macht sympathisch und Sinn gerade bei Haydns Sch\u00f6pfung. Vielmehr l\u00e4sst er aus den Augenwinkeln die richtige Stimmung in den Klangk\u00f6rper blitzen, und zeigt unbefangen die Freude an und mit der Musik \u2013 so soll es sein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Leistung des Chores besprach ich schon in Ans\u00e4tzen, zur perfekten Deklamation kommt eine fantastische Klangamplitude, die gnadenlos insbesondere in den oberen Bereichen ausgekostet wurde. Doch auch ein grandioses Pianissimo wussten die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger anzubieten. Das Fortissimo, wenngleich von herrlich vitaler Strahlkraft, war aber doch manchmal zu viel des Guten \u2013 man h\u00e4tte sich gerade bei den fulminanten Schlussch\u00f6ren der drei Teile (<i>&#8220;Die Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes&#8221;, &#8220;Vollendet ist das gro\u00dfe Werk&#8221;, &#8220;Singt dem Herren, alle Stimmen&#8221;<\/i>) am Ende je nochmals eine Steigerung gew\u00fcnscht, die aber angesichts des bereits vorher verschossenen Pulvers nur zu erahnen war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Wort zum Orchester: Insgesamt solide. In den Streichern sehr gute Pr\u00e4zision, traumhaftes Miteinander. Entt\u00e4uschend das Holz \u2013 im Gegensatz zu Gesangssolisten und Streichern spielte das Holzgebl\u00e4se ausdruckslos aneinander vorbei und nutzte die exponierten Passagen nicht zur positiven Eigendarstellung. Dass die Oboe an der einen oder anderen Stelle dicht unter der verlangten Intonation entlangn\u00e4selte, macht die Sache nicht besser. Die Blechbl\u00e4ser taten sich durch solides Spiel, jedoch auch durch Unauff\u00e4lligkeit bzw. Zur\u00fcckhaltung hervor, was insofern schade ist, als den grandiosen Tutti-Stellen somit eine Spur Glanz fehlte \u2013 da h\u00e4tten Trompeten und Posaunen durchaus ein wenig mehr Gas geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Doch die wenigen Einzeldefizite haben, das sei abermals unterstrichen, keinesfalls einen Abbruch getan an der Gesamtleistung aller Mitwirkenden. Hellmuth Rilling hat gemeinsam mit Chor, Orchester und Solisten eine Sch\u00f6pfung erschaffen, die ber\u00fchrt und begeistert hat. Und so will ich mit einem Verweis auf einen Satz aus einem meiner <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/archives\/110-Grandioses-Symphonieerlebnis.html\">vormaligen Blogbeitr\u00e4ge<\/a> schlie\u00dfen \u2013 auch und gerade als (und da schlie\u00dft sich der Kreis) von Darwins Evolutionslehre \u00fcberzeugter und doch gl\u00e4ubiger Naturwissenschaftler. Da schrieb ich also in meinem Bericht \u00fcber ein ebenfalls <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/archives\/110-Grandioses-Symphonieerlebnis.html\">grandioses Musikerlebnis<\/a>: <i>&#8220;Ich wage zu mutma\u00dfen, dass Menschen, denen der Glaube an Gott eher fern liegt, hier eine Ahnung er\u00f6ffnet wird, wie Gott und sein Himmelreich erfahrbar werden k\u00f6nnen.&#8221;<\/i> Was ich da f\u00fcr den 5. Satz in Mahlers 2. Symphonie formulierte, gilt, mindestes f\u00fcr mich, gleichfalls f\u00fcr Haydns Sch\u00f6pfung. Und so rufe ich \u2013 im Gegensatz zu Hellmuth Rilling ganz und gar nicht frei von Pathos \u2013 allen Leserinnen und Lesern, die bis hierher durchgehalten haben, freim\u00fctig zu: Genie\u00dft die Sch\u00f6pfung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Huch!? 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