{"id":124,"date":"2009-04-25T00:25:56","date_gmt":"2009-04-25T00:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=124"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"krisengeschwafel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2009\/04\/25\/krisengeschwafel\/","title":{"rendered":"Krisengeschwafel"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">\n<p>Das Politmen\u00fc der Woche: Inhaltliche Zeitverschwendung von stereotypem Unterhaltungswert, ganz leicht angew\u00fcrzt mit sozialdemokratischem Progr\u00e4mmchen und abgemischt unter nehmerisch aufmontiertem Unionsluftnummernschaum. So oder \u00e4hnlich k\u00f6nnte eine kulinarische Verwurstung der in dieser Woche zusammengebrutschelten Beitr\u00e4ge aus der \u00f6ffentlich-rechtlichen Polittalkkomb\u00fcse aussehen. <\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Seit kurzem und nach einigen Jahren wieder im Besitz eines Fernsehers, habe ich mir aus durchaus freien St\u00fccken all das angetan, was Anne Will, Frank Plasberg und Maybrit Illner w\u00e4hrend der vergangenen sechs Abende aufzubieten hatten. Neue Fakten oder Hintergr\u00fcnde brachte das Ganze freilich keinerlei. Somit k\u00f6nnte man in der Tat von inhaltlicher Zeitverschwendung sprechen, bringt doch die Lekt\u00fcre eines jeden Artikels aus der ZEIT oder von Spiegel oder gar heise online ein vielfaches an Erkenntnisgewinn. Und die Rhetorik des simplen Schwaben Volker Kauder\u00a0 oder das Keifen um Rederecht des Gewerkschaftsbesens Ursula Engelen-Kefer, tragen mithin nicht zur Steigerung des Unterhaltungswerts der Veranstaltungen bei. Manches Statement entbehrte nichtsdestoweniger nicht einer gewissen Aussagekraft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Schwach blieben beispielsweise die Argumente gegen die Anhebung des Spitzensteuersatzes, die von der SPD zur Finanzierung von mehr Bildungsgerechtigkeit vorgeschlagen wurde. Noch schw\u00e4cher zeigte sich der JU-Vorsitzende Philipp Mi\u00dffelder, der sich um die Frage, warum er denn gegen eine verminderte steuerliche Absetzbarkeit von Manager-Boni sei, relativ ungeschickt herumlavierte, da er dies nicht herausgegriffen aus einem komplexen Zusammenhang sehen wolle. Peinlich! <\/p>\n<p align=\"justify\">Peinlich gleichfalls, wie die Kaffeegr\u00e4fin Stephanie von Pfuel grundlegende Zusammenh\u00e4nge zu begreifen nicht in der Lage war. DGB-Chef Michael Sommer versuchte sie mehrfach darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Welt der Schl\u00f6sser und B\u00e4lle (f\u00fcr die sie ihren &quot;fein hergerichteten alten Kasten&quot; zur Verf\u00fcgung stellt) mit der Realit\u00e4t etwa von Hartz-IV-beziehenden Alleinerziehenden recht wenig zu tun hat. Dass sie aus ihrem Anwesen keine Sozialwohnungseinrichtung machen soll, sondern sich blo\u00df einmal auf die Lebenswirklichkeit breiter Schichten der Bev\u00f6lkerung einlassen, blieb der Dame offenbar bis zum Schluss verborgen. Ebenso wie so manchem Unternehmervertreter, von denen einer z.B. meinte, man k\u00f6nne doch anhand fortgesetzter Abwrackungen nicht der ganzen Bev\u00f6lkerung f\u00fcnf Autos vor die T\u00fcr stellen. Ein Leichtes war es da f\u00fcr Gregor Gysi, zu entgegnen, dass manch einer nicht ein mal vom ersten Gef\u00e4hrt zu tr\u00e4umen in der Lage ist! Festzuhalten ist da, dass nicht nur die soziale und materielle Schere in der Gesellschaft, sondern auch die Wahrnehmungsschere der verantwortlichen Protagonisten immer weiter klafft!<\/p>\n<p align=\"justify\">Karl Theodor von und zu Wirtschaftsminister und Guttenberg, Freiherr gelackten Haars und geleckter Rede, forderte angesichts der Prognose von sechs Prozent Wirtschaftseinbruch ein ger\u00fcttelt Ma\u00df Optimismus gem\u00e4\u00df dem Motto \u201eStell Dir vor es ist Krise und keiner geht hin\u201c. Na soll er mal fordern- solange in der Regierung Peer Steinbr\u00fcck die Wirtschaftspolitik kompetent weiterbestimmt, kann man den Adelsminister ruhig weiter in Diskussionsrunden und auf Empf\u00e4ngen seine Krawatten pr\u00e4sentieren lassen, das richtet recht wenig Schaden an.<\/p>\n<p align=\"justify\">Einen Paradiesvogel gab es \u00fcbrigens auch, und zwar in der Illnerschen Runde, was mein Ornithologenherz nat\u00fcrlich h\u00f6her schlagen lie\u00df. Stardesigner Luigi Colani begann zwar mit lautstarker, kaum ernst zu nehmender Phrasendrescherei \u00fcber Banken, die ruhig in die Binsen gehen sollen. Doch dann versagte die Moderatorin, das Sinnvolle, was in seinen Beitr\u00e4gen aufblitzte, gezielt herauszuarbeiten: Vor Jahrzehnten bereits habe er die Zukunft in sparsamen Kleinwagen gesehen, was von den Autobauern bis heute erfolgreich ignoriert worden sei. Zukunft solle man unterst\u00fctzen, nicht Vergangenheit. Dass dies nicht weiter aufgegriffen wurde, ist das Verdienst des Rundenrests, der auf die K\u00fcnstlermeinung sich einzulassen in keiner Weise bereit bzw. in der Lage war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Drei Punkte als Fazit:<\/p>\n<ol>\n<li>Der fundierte Informationen Suchende wird in den Talkrunden der \u00f6ffentlich-rechtlichen Bed\u00fcrfnisanstalten, wie Georg Schramm sie so treffend beschrieb, kaum f\u00fcndig.<\/li>\n<li>Die Unf\u00e4higkeit des Talketablissements, \u00fcber den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und noch viel mehr hinauszuargumentieren oder gar hinauszuhandeln, ist frappierend.<\/li>\n<li>Dass in der Krise Zukunft Zukunft gef\u00f6rdert und Neues gedacht werden muss, blieb der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit verborgen, welche in alten Rezepten gefangen blieb. Dass immerhin die Sozialdemokratie in mehr Bildungsgerechtigkeit investieren will, gibt einen Funken Hoffnung.<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"justify\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Politmen\u00fc der Woche: Inhaltliche Zeitverschwendung von stereotypem Unterhaltungswert, ganz leicht angew\u00fcrzt mit sozialdemokratischem Progr\u00e4mmchen und abgemischt unter nehmerisch aufmontiertem Unionsluftnummernschaum. 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