{"id":125,"date":"2009-04-26T22:21:38","date_gmt":"2009-04-26T22:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=125"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"welches-wachstum-wollen-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2009\/04\/26\/welches-wachstum-wollen-wir\/","title":{"rendered":"Welches Wachstum wollen wir?"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Tagaus, tagein verfolgt man derzeit die Krisenberichterstattung in diversen \u00f6ffentlichen Medien und wird der Hiobsbotschaften \u00fcber einbrechende Wirtschaftszahlen, wom\u00f6glich ausbrechende soziale Unruhen, mindestens aber steigende Arbeitslosenzahlen fast schon \u00fcberdr\u00fcssig. Jetzt schon \u00fcberdr\u00fcssig sollte man sein ob der Diskussionen \u00fcber die Sinnhaftigkeit bereits beschlossener Abwrack- oder Umweltpr\u00e4mien einerseits und ob des \u00dcberbietungswettbewerbs f\u00fcr neue Milliardenprogramme andererseits. <\/p>\n<p align=\"justify\">Einig sind sich ja alle Protagonisten aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften dar\u00fcber, dass man alles daf\u00fcr tun muss, das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP; dies ist die Zahl, an der gemeinhin das Wirtschaftswachstum gemessen wird) bald wieder ins Positive zu drehen. \u00dcber die Art des anzusteuernden Wachstums jedoch spricht niemand. Hauptsache, die Wirtschaft w\u00e4chst \u2013 egal wie, so k\u00f6nnte man die Stimmungslage zusammenfassen. <\/p>\n<p align=\"justify\">Da ist es doch unheimlich wohltuend, dass immerhin der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/18\/01-Wachstum?page=all\">Leitartikel der aktuellen <i>ZEIT<\/i>-Ausgabe<\/a> einen anderen, erfrischend deutlichen Ton anschl\u00e4gt. Thomas Fischermann weist darauf hin, dass diese Krise auch als Chance daf\u00fcr begriffen werden kann, sich zu erinnern, \u201edass es gute und weniger gute Richtungen der wirtschaftlichen Entwicklungen gibt.\u201c Dieser Hinweis ist angesichts dessen, dass diese Richtungsfrage in der aktuellen \u00f6ffentlichen Debatte volllkommen marginalisiert wird, mehr als n\u00f6tig. <\/p>\n<p align=\"justify\">Doch der Autor setzt noch eins drauf: Die BIP-Wachstumsrate tauge mitnichten dazu, in der Krise und auch sonst eine Handlungsorientierung zu geben, da sie ein mit immensen Problemen behaftetes haarstr\u00e4ubendes Konstrukt sei. Warum? Das BIP messe alles, \u201ewas in einer Volkswirtschaft geschaffen und geleistet wird\u201c. Das Problem: Dies geschieht nur, solange das Geleistete einen Preis hat bzw. solange es sich aktuell und monet\u00e4r darstellen l\u00e4sst. \u201eKindererziehung und Krankenpflege daheim? Sie steigern das BIP kein bisschen. Umweltsch\u00e4den, die keiner mehr beseitigen kann? Senken das BIP keineswegs. Mehr Freizeit und Selbstverwirklichung f\u00fcr alle? Im Zweifelsfall eher schlecht f\u00fcrs BIP. Zunehmender sozialer Unfrieden und Kriminalit\u00e4t? Keine Auswirkung. Halt, doch! Wenn ein Hooligan eine Scheibe einwirft, muss der Glaser kommen. Dann w\u00e4chst das BIP sogar.\u201c \u2013 Was f\u00fcr ein haastr\u00e4ubendes Konstrukt, in der Tat. Die Schizophrenie wird noch deutlicher: \u201eDer Raubbau an den W\u00e4ldern, bodenzerst\u00f6rende Monokulturen, die Zersetzung von Gesellschaften durch \u00dcberarbeitung \u2013 sie dienen kurzfristig der Steigerung des BIPs und zerst\u00f6ren langfristig die Lebensgrundlagen des Menschen. Dennoch feiern wir L\u00e4nder, die beim BIP-Wachstum vorn liegen, wie Leistungssportler: Schaut her, China hat die Zehnprozentmarke gerissen!\u201c. Und dennoch \u201everschreiben wir der Steigerung des BIPs unser Bildungssystem, unsere Forschungsf\u00f6rderung, unsere Infrastruktur.\u201c <\/p>\n<p align=\"justify\">Eine Zahl regiert die Welt, welche Ausbeutung f\u00f6rdert, Gemeinwesen zerst\u00f6rt, unseren Planeten zu Grunde richtet. Es wird Zeit, sich dessen gewahr zu werden und nach Orientierungsma\u00dfst\u00e4ben zu suchen, die soziale und \u00f6kologische Nachhaltigkeit belohnen und auf Schadensverursachung basierende Gewinnmaximierung bestrafen. Kurzfristig sei den Akteuren insbesondere in der Politik geraten, gelegentlich einmal innezuhalten und die Ziele, die ihnen als erstrebenswert suggeriert werden, nachhaltig zu hinterfragen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/18\/01-Wachstum?page=all\">Artikel \u201eBesser wachsen\u201c von Thomas Fischermann in der ZEIT-Ausgabe 18 vom 23. April 2009<\/a> sei allen Leserinnen und Lesern mit Nachdruck ans Herz gelegt.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagaus, tagein verfolgt man derzeit die Krisenberichterstattung in diversen \u00f6ffentlichen Medien und wird der Hiobsbotschaften \u00fcber einbrechende Wirtschaftszahlen, wom\u00f6glich ausbrechende soziale Unruhen, mindestens aber steigende Arbeitslosenzahlen fast schon \u00fcberdr\u00fcssig. 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