{"id":134,"date":"2010-07-09T23:31:52","date_gmt":"2010-07-09T23:31:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=134"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"foerderungsfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2010\/07\/09\/foerderungsfehler\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderungsfehler"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Warum die Bundesregierung mit ihrem Stipendienprogramm auf dem falschen Dampfer ist<\/h3>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/0,1518,705591,00.html\">Der Bundesrat hat heute einem der Prestige-Objekte der Koalition gr\u00fcnes Licht gegeben<\/a>: Nach anf\u00e4nglichen gegenteiligen Signalen aus der L\u00e4nderkammer haben sich die schwarzen Landesf\u00fcrsten doch dazu breitschlagen lassen, dem nationalen Stipendienprogramm zuzustimmen.<\/p>\n<div align=\"justify\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/soli-logo_500.jpg\"><!-- s9ymdb:155 --><img loading=\"lazy\" class=\"serendipity_image_left\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/soli-logo_500.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"78\"><\/a>Dass dies kurz vor einer \u00c4nderung der Mehrheitsverh\u00e4ltnisse des Rates (die schwarz-gelbe Regierung aus NRW hat schon l\u00e4ngst keine Parlamentsmehrheit mehr hinter sich, gibt aber trotzdem ihre sechs Stimmen f\u00fcr das umstrittene Projekt) geschieht, und nur nachdem die zust\u00e4ndige Ministerin mit reichlich Bundesgeld ihre Argumente unterf\u00fctterte, mag ein gewisses G\u2019schm\u00e4ckle darstellen, welches jedoch nicht vom grunds\u00e4tzlichen Fehler ablenken soll: Das Stipendienprogramm ist nicht nur sozialpolitisch, sondern langfristig auch wirtschaftspolitisch falsch.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Das Programm sieht vor, leistungsf\u00e4higen Studierenden monatlich 300 Euro zu \u00fcberweisen, unabh\u00e4ngig vom Einkommen der Eltern. Mittelfristig soll so der Anteil der Stipendienbezieher auf bis zu zehn Prozent ansteigen (derzeit liegt er bei etwa zwei Prozent). Doch ist damit etwas gewonnen im Ringen um mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem oder f\u00fcr die F\u00f6rderung wissenschaftlicher Exzellenz? Wohl kaum. Tendenziell wird es so sein, dass die besonders &#8220;begabten&#8221; Studierenden aus materiell gut ausgestatteten Elternh\u00e4usern kommen; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/0,1518,688858,00.html \">der verschwindende Anteil von Kindern sozial schw\u00e4cherer Familien bei vielen der bereits etablierten Begabtenf\u00f6rderungswerke<\/a> lie\u00df bereits vor einigen Monaten zahlreiche bildungs- und sozialpolitische Alarmglocken schrillen. Somit ist zu erwarten, dass sich an den neuen Bundesf\u00f6rdert\u00f6pfen zuvorderst jene werden laben k\u00f6nnen, die es gar nicht n\u00f6tig haben bzw. ohnehin auf den reichen Finanzsegen ihrer Elternh\u00e4user bauen k\u00f6nnen. Diejenigen indes, die sich wom\u00f6glich redlich m\u00fchen, aber etwa wegen der Notwendigkeit, neben dem Studium arbeiten zu m\u00fcssen, nicht in die oberen Zehn- (oder Zweihundert-)tausend der Hochbegabten aufsteigen, d\u00fcrfen jedoch auf die gleichfalls versprochene Erh\u00f6hung des BAf\u00f6G zum Wintersemester weiter hoffen und harren, denn die hat der Bundesrat wegen Finanzierungsvorbehalten kurzerhand einkassiert. Soll hei\u00dfen, frei nach Mt 13: Wer hat, dem wird gegeben, wer nichts hat, dem bleibt das, was er braucht, vorenthalten.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p>Dabei liegen f\u00fcr jeden, der zwei und zwei zusammenz\u00e4hlen kann, auch die wirtschaftspolitischen Implikationen dieser Fehlinvestitionen auf der Hand. Nachweislich sieht die Situation an den Hochschulen Deutschlands so aus, dass Spr\u00f6sslinge aus materiell betuchteren Schichten eine vielfach h\u00f6here Chance auf ein Studium haben als Arbeiterkinder (von den Nachkommen der Generation Hartz wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst reden). Gleichzeitig rufen zahlreiche Experten unentwegt nach einer Erh\u00f6hung der Studierendenquoten und einem insgesamt besseren Bildungs- und Ausbildungsniveau \u2013 aus ganz profanem \u00f6konomischem Interesse. Sollten jene Rufe jedoch ernst gemeint sein, so sollten sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft dringendst Wege einfallen lassen (und daf\u00fcr die entsprechenden Mittel in die Hand nehmen), mehr &#8220;Unterschicht&#8221;-Kinder an die Universit\u00e4ten zu bringen, denn das Teilnehmerpotential aus dem Kreise der Besserbemittelten ist nahezu ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"justify\">Doch dieser Erkenntnis verschlie\u00dft sich ganz offensichtlich die schwarz-gelbe Koalition in Berlin wie auch die Riege der Landesregierungen mit unions- und freidemokratischer Beteiligung. Sehenden Auges betreiben sie hierdurch eine Besitzstandswahrung bzw. \u2013mehrung f\u00fcr die eigene Klientel, die, und so pathetisch muss man es ausdr\u00fccken, der guten Zukunft des Landes nicht zum Vorteil gereicht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Nachtrag pers\u00f6nlicher Natur sei mir gestattet: Manch eine(r) aus der gesch\u00e4tzten Leserschaft wird wissen, dass auch ich w\u00e4hrend meines Studiums von den F\u00f6rdert\u00f6pfen des Bundes \u00fcber den Kanal des Cusanuswerks profitiert habe. Doch bestehen meiner Ansicht nach zwischen dem nun aufgelegten nationalen Stipendienprogramm und der \u201eklassischen\u201c Stipendienvergabe \u00fcber die elf Begabtenf\u00f6rderungswerke zwei wichtige Unterschiede: Zum ersten ist der gr\u00f6\u00dfte Teil der Werks-Stipendien abh\u00e4ngig vom Einkommen der Eltern und an die H\u00f6he der BAf\u00f6G-S\u00e4tze gekoppelt. Lediglich das B\u00fcchergeld in H\u00f6he von (bisher) 80 Euro wird pauschal ausgezahlt. Zum zweiten begleiten die Werke ihre Stipendiaten mindestens mit einem freiwilligen, beim Cusanuswerk gar mit einem verpflichtenden, (nicht staatlich, sondern vom Tr\u00e4ger finanzierten!) ideellen F\u00f6rderprogramm, in dem entgegen vielfacher Vermutung ganz und gar nicht die Teilnehmerschaft auf Linie der jeweiligen Werksideologie gebracht werden (wobei ich hier freilich nur vom Bildungsprogramm sprechen kann, in dessen Genuss ich h\u00f6chstselbst kam), sondern durch dessen Veranstaltungen sich das Leitmotiv zieht, die er\u00f6ffneten M\u00f6glichkeiten und Chancen als Verantwortung zu begreifen, das Erfahrene in das Gemeinwesen zu re-investieren. Im Idealfall kann die staatliche und institutionelle F\u00f6rderung somit eine nachhaltige Investition f\u00fcr die Gesellschaft darstellen \u2013 ein Ziel, das dem neuen nationalen Stipendienprogramm allem Anschein nach fehlt.<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum die Bundesregierung mit ihrem Stipendienprogramm auf dem falschen Dampfer ist Der Bundesrat hat heute einem der Prestige-Objekte der Koalition gr\u00fcnes Licht gegeben: Nach anf\u00e4nglichen gegenteiligen Signalen aus der L\u00e4nderkammer haben sich die schwarzen Landesf\u00fcrsten doch dazu breitschlagen lassen, dem nationalen Stipendienprogramm zuzustimmen. Dass dies kurz vor einer \u00c4nderung der Mehrheitsverh\u00e4ltnisse des Rates (die schwarz-gelbe &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2010\/07\/09\/foerderungsfehler\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;F\u00f6rderungsfehler&#8221;<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1269,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions\/1269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}