{"id":138,"date":"2012-02-02T23:29:27","date_gmt":"2012-02-02T23:29:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=138"},"modified":"2021-08-06T21:44:16","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:16","slug":"nicht-der-grosse-wulff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2012\/02\/02\/nicht-der-grosse-wulff\/","title":{"rendered":"Nicht der gro\u00dfe Wulff"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">\n<\/div>\n<p><!-- s9ymdb:158 --><\/p>\n<p align=\"justify\">In den <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/crbilderstrecke322_mtb-1_pos-4.html#colsStructure\">Umfragen<\/a> sinken die Kompetenzwerte des Bundespr\u00e4sidenten hinter die von Guido Westerwelle. Das Ma\u00df ist voll. Herr Wulff, erl\u00f6sen Sie uns!<\/p>\n<p align=\"justify\">Seit Wochen (gef\u00fchlt eher Monaten) erfreut sich die deutsche Medien\u00f6ffentlichkeit vor allem an einem Thema: Den Leiden des Bundespr\u00e4sidenten. Die gemeine Journallie hetzt den armen Wulff, auf dass seinen Schafspelz zu verlieren droht. Nicht ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Bobbycar durchs Dorf gerollt, ein neuer Kredit verspielt, ein alter Hut in neue Skandalschl\u00e4uche verpresst wird. <\/p>\n<p align=\"justify\">Nach seiner Wahl dachte ich, wie viele andere auch: Hm, der gro\u00dfe Wulff ist es nicht, aber auch nicht der Super-Gauck. Oder mit anderen Worten: Geben wir dem Mann mal &#8216;ne Chance. Und ja, ganz offen gestanden habe ich, als das Theater losging, auch gedacht: &quot;Herrschaften, nun lasst ihn doch in Ruh&#8217;.&quot; Einen billigen Kredit in Anspruch genommen? Schwamm dr\u00fcber. Dem Landtag dazu die vollst\u00e4ndige Sachlage vorenthalten? Fehler machen auch Politiker mal. Ein Flug-Upgrade von der Holz- in die Businessklasse akzeptiert? Wer w\u00fcrde sich dar\u00fcber nicht freuen. Die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=o6r3M-v51Hg\">Mailbox-Nachricht<\/a> beim Bild-Chefredakteur? Im emotionalen Affekt in der Hitze Arabiens wortgewordene Bl\u00f6dheit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und auch all die geschenkten Bobbycars, unentgeltlich geliehenen Kleider, Urlaube in den G\u00e4stezimmern (oder eher G\u00e4ste-Villen) von Freunden: Sie sind mir egal. Oder nein, inzwischen sage ich: Sie w\u00e4ren mir egal.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn sie sich einerseits auf Einzelf\u00e4lle bzw. \u2013ereignisse reduzieren lie\u00dfen. Doch inzwischen ist klar, dass all die Geschenke und Verg\u00fcnstigungen sich zu einer nicht enden wollenden Serie von Mitnahmeeffekten aufaddieren, so dass die Grenzen des Anstands eindeutig \u00fcberschritten sind.\u00a0 Und wenn sich andererseits zu alldem nicht ein massiver Vertrauensverlust gesellen w\u00fcrde, gepaart mit einer starken Tendenz zur Unredlichkeit. Die mutma\u00dflichen Machenschaften seines Ex-Sprechers und -Vertrauten Glaeseker sprechen da wahrscheinlich f\u00fcr sich \u2013 wie&#8217;s Gescherr, so halt auch der Herr.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber was entscheidend ist, und da bin ich inzwischen einig mit vielen anderen klugen Menschen, die dies schon vorher zu Protokoll gaben: Das deutsche Staatsoberhaupt hat keine operative Macht, sondern nur die Macht des Wortes. Wulff hat sie gar bereits durchaus erfolgreich zu nutzen begonnen: mit seinem Bekenntnis, der Islam geh\u00f6re zu Deutschland, bei seiner Reise nach Israel, bei der Ansprache zur Begr\u00fc\u00dfung des Papstes in Berlin. Doch damit sich die Macht des Wortes entfalten kann, bedarf es eines besonders hohen Ma\u00dfes an Glaubw\u00fcrdigkeit und Redlichkeit. <\/p>\n<p align=\"justify\">Die Kombination aus Salami-Informationstaktik, beknackten Telefonanrufen, sich andeutender Unehrlichkeit gegen\u00fcber Parlament und Bev\u00f6lkerung, deutlich mangelnder Distanz zu sagen wir mal <i>Einfluss auf politische Entscheidungstr\u00e4ger nicht gerade vermeiden wollenden<\/i> Gestalten (Maschmeyer und Co.) und manchem mehr haben Christian Wulff f\u00fcr das Amt des Bundespr\u00e4sidenten disqualifiziert. Denn all diese Dinge zeugen davon, dass er den Anspr\u00fcchen von Glaubw\u00fcrdigkeit und Redlichkeit nicht gerecht wird. <\/p>\n<p align=\"justify\">Dass in <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend1448.html\">repr\u00e4sentativen Umfragen<\/a> nur noch 22 Prozent der Bev\u00f6lkerung denken, Wulff sei glaubw\u00fcrdig, und weniger als ein Sechstel der Befragten Ehrlichkeit f\u00fcr eine Qualit\u00e4t des amtierenden Bundespr\u00e4sidenten halten, spricht da f\u00fcr sich. Ebenso die Tatsache, dass er in der Kompetenzbewertung hinter den schlechtesten Au\u00dfenminister aller Zeiten rutscht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Politiker, auch Staatsoberh\u00e4upter, d\u00fcrfen Fehler machen. Aber irgendwann ist das Ma\u00df voll. Er hat seine Chance gehabt \u2013 und hat sie verspielt. <\/p>\n<p align=\"justify\">Und was mich besonders \u00e4rgert: Es gibt wahrlich wichtigere Themen als dieses Elend vom Schloss Bellevue! Der mit dem Klimawandel verbundene n\u00f6tige Mentalit\u00e4tswandel, die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft, die nach wie vor vollkommen vernachl\u00e4ssigte Bildungsfrage, die Integrationsproblematik, die Euro-Solidarit\u00e4t, die globale Gerechtigkeitsfrage&#8230; Alles Themen, zu denen ich vom deutschen Pr\u00e4sidenten zumindest ein paar Leitgedanken h\u00f6ren w\u00fcrde. Aber wie soll das denn bitte noch gehen. Wer ihm noch zuh\u00f6rt, kann ihn doch nicht mehr ernstnehmen! <\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Ich halte es daher ganz mit Renate K\u00fcnast: Herr Bundespr\u00e4sident, erl\u00f6sen Sie uns!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Umfragen sinken die Kompetenzwerte des Bundespr\u00e4sidenten hinter die von Guido Westerwelle. Das Ma\u00df ist voll. Herr Wulff, erl\u00f6sen Sie uns! Seit Wochen (gef\u00fchlt eher Monaten) erfreut sich die deutsche Medien\u00f6ffentlichkeit vor allem an einem Thema: Den Leiden des Bundespr\u00e4sidenten. 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