{"id":140,"date":"2012-02-19T23:41:21","date_gmt":"2012-02-19T23:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=140"},"modified":"2021-08-06T21:44:16","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:16","slug":"denn-sie-tun-nicht-was-sie-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2012\/02\/19\/denn-sie-tun-nicht-was-sie-wissen\/","title":{"rendered":"Denn sie tun nicht, was sie wissen."},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" class=\"serendipity_image_left\" style=\"float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/\/bik_bildzeichen_klein.jpg\" width=\"88\" height=\"67\">Aber warum?! &#8211; Weil selbst die kl\u00fcgsten K\u00f6pfe der Nation sich nicht einig dar\u00fcber werden, wie das Richtige erreicht werden kann. So k\u00f6nnte das Fazit der Podiumsdiskussion <a href=\"http:\/\/www.bik-f.de\/files\/veranstaltungen\/stiftungagstprofessur\/flyer_stiftungsgastprofessur.pdf\">&#8220;Warum f\u00e4llt es uns so schwer, das Richtige zu tun?&#8221;<\/a> aussehen, welche als Schluss-Highlight die Veranstaltungsreihe &#8220;Wie wollen wir leben?&#8221; des <a href=\"http:\/\/bik-f.de\/\">Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum Frankfurt (BiK-F)<\/a> beendete. Mindestens von hohem Entert<!-- s9ymdb:159 -->ainmentwert war die Debatte, insbesondere die Beitr\u00e4ge von Hans Werner Sinn (M\u00fcnchen) und Harald Welzer (Essen).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">An Wissen um die global dr\u00e4ngenden Probleme mangelt es keinesfalls: Ph\u00e4nomene wie Klimaerw\u00e4rmung, Ressourcenraubbau oder Artensterben sind im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung inzwischen durchaus pr\u00e4sent, selbst die Verantwortungstr\u00e4ger in Gesellschaft und Politik haben die Themen auf der Agenda. Wie alldem Einhalt zu gebieten w\u00e4re, wei\u00df man gleichfalls in recht umf\u00e4nglichem Ma\u00dfe. Doch woran liegt es, dass dieses Wissen nicht in konkretes Handeln umgesetzt wird? Der Beantwortung dieser Frage widmete sich die professorale Runde aus dem Sozialpsychologen Harald Welzer vom Kulturwissenschaftiches Institut Essen, dem \u00d6konomen Hans Werner Sinn vom ifo-Institut M\u00fcnchen, der Biologin Anna Starzinski-Powitz von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und dem Soziologen Axel Franzen von der Universit\u00e4t Bern.<\/p>\n<p align=\"justify\">W\u00e4hrend der Beitrag der Biologin \u2013 vorsichtig formuliert \u2013 marginal blieb und Soziologe Franzen trotz eines interessanten empirischen Anfangsimpulses zur &#8220;tragedy of the commons&#8221; in der Diskussion leider ebenfalls verblasste, gl\u00e4nzten die beiden anderen Diskutanten um so mehr, insbesondere mit einem herausragenden Unterhaltungsfaktor.<\/p>\n<p align=\"justify\">Harald Welzer stellte eindr\u00fccklich dar, dass unsere Einstellungen und Handlungen durchaus nichts miteinander zu tun haben m\u00fcssen. Dies liege daran, dass unsere konkrete allt\u00e4gliche Lebenswirklichkeit viel st\u00e4rker unser Handeln bestimmt als das, was wir denken und wissen. Hierzu m\u00fcssten wir die Umst\u00e4nde und Entwicklungen unserer gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge und Pr\u00e4gungen verstehen: Seit Jahrhunderten folgten wir dem Idealbild des Wachstums, und zwar ohne eine Reflexion \u00fcber die Konsequenzen, z.B. hinsichtlich der hemmungs-, ja erbarmungslosen Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen. Wenn wir uns dessen nicht bewusst werden, so Welzers These, und wenn wir uns nicht eingestehen, dass sich unsere Lebenswirklichkeit und \u2013ideale \u00e4ndern m\u00fcssen, wird eine L\u00f6sung der globalen Umweltprobleme nicht gelingen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hans Werner Sinn hingegen vertrat die Ansicht, dass wir, z.B. im \u00f6kologischen Vorreiterland Deutschland, doch schon allerhand tun: Wir packen unsere H\u00e4user ein und nageln Solarpanele auf die D\u00e4cher, tanken Biosprit und fahren Elektroautos. Doch vielmehr als unsere Gewissensbisse kurierten wir damit nicht, so Sinn. Denn was wir bei all den gutgemeinten Aktivit\u00e4ten verg\u00e4\u00dfen, sei, dass es sich hierbei lediglich um nachfrageeinschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen handele. Doch das System funktioniere nunmal nicht ohne die Angebotsseite. Und das Angebot h\u00e4tten eben die wirklichen Herren \u00fcber das Klima unter Kontrolle \u2013 die \u00d6lscheichs, die Kohlebarone, die Putinschen Gasoligarchen. Diese Klimaherren bestimmten, wieviel von was wann gef\u00f6rdert werde. Und unsere vergleichsweise lokale Verbrauchsz\u00fcgelung bringe gar nichts, wenn wir nicht sicherstellen k\u00f6nnten, dass das, was wir einsparen, nicht anderswo in die Luft geblasen wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Solange dieses \u00f6konomische Prinzip von Angebot und Nachfrage, die sich \u00fcber den Preis treffen, ignoriert werde, argumentierte Sinn, k\u00e4men wir etwa der Reduktion der Treibhausgase nicht n\u00e4her. Folglich sei die Einf\u00fchrung eines globalen, umfassenden Emissionshandelssystems einer der wichtigsten L\u00f6sungsans\u00e4tze. Harald Welzer widersprach dem vehement, und warf Hans Werner Sinn das Verharren in antiquierten Denkmustern vor. &#8220;Mit dem \u00f6konomischen Wissen des 19. und 20. Jahrhunderts werden Sie die Probleme des 21. Jahrhunderts nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen&#8221;, so Welzer. Er pl\u00e4dierte f\u00fcr eine umfassende Analyse der kulturellen und gesellschaftlichen Traditionen und Zusammenh\u00e4nge und f\u00fcr ein grunds\u00e4tzliches Umdenken in vielen Bereichen. Dies provozierte die Sinnsche Erwiderung, Welzer baue Wolkenkuckucksheime ohne konkrete Probleml\u00f6sungsrelevanz.<\/p>\n<p align=\"justify\">Freilich kam die Runde zu keinem allseits befriedigenden Fazit \u2013 zu grunds\u00e4tzlich schienen die Standpunkte der Wissenschaftler. Zwei mehr oder weniger \u00fcbergeordnete Schlussfolgerungen liegen jedoch auf der Hand.<\/p>\n<p align=\"justify\">Einerseits ist das Werben f\u00fcr innovative Ans\u00e4tze beim L\u00f6sen globaler Probleme zweifelsohne gerechtfertigt. L\u00e4ge im derzeitigen Wirtschaftssystem die L\u00f6sung der Herausforderungen, w\u00e4ren wir wohl nicht da, wo wir heute stehen. Kurzfristiges Gewinnstreben mit Ressourcenraubbau, Naturzerst\u00f6rung und dramatischen sozialen Problemen sind Ausw\u00fcchse eines unregulierten Kapitalismus, dem auf Nachfrage- und Angebotsseite dringend Einhalt geboten werden muss \u2013 auch grunds\u00e4tzlich hinterfragend im Welzerschen Sinne.<\/p>\n<p align=\"justify\">Andererseits ist jeder L\u00f6sungsansatz, der nur an einem kleinen, wom\u00f6glich blo\u00df lokalen Teilaspekt des Systems ansetzt, zum Scheitern verurteilt. Die vielfach empirisch dokumentierten Erkenntnisse \u00fcber \u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge, auch und vor allem auf globaler Ebene, sind unverzichtbare Voraussetzungen beim L\u00f6sen der immensen Herausforderungen, vor denen die Weltgemeinschaft steht. Ein Tor, der in wirtschaftlicher Ignoranz wolkenkuckucksheimliche Ideale zu bauen sucht!<\/p>\n<p align=\"justify\">Insofern ist dem Schlusswort des senckenbergischen Generaldirektors Prof. Volker Mosbrugger, &#8220;Es geht nicht ohne die Wissenschaft, es geht nicht ohne die Gesellschaft, es geht nicht ohne die Wirtschaft&#8221;, nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aber warum?! &#8211; Weil selbst die kl\u00fcgsten K\u00f6pfe der Nation sich nicht einig dar\u00fcber werden, wie das Richtige erreicht werden kann. 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