{"id":28,"date":"2007-03-03T15:45:45","date_gmt":"2007-03-03T15:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=28"},"modified":"2021-08-06T21:44:19","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:19","slug":"figaro-auf-arabisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/03\/03\/figaro-auf-arabisch\/","title":{"rendered":"Figaro auf Arabisch"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">\nN\u00f8rrebro, der Stadtteil Kopenhagens, in dem zu leben mir verg\u00f6nnt ist und wo derzeit Nacht f\u00fcr Nacht die gro\u00dfen Stra\u00dfenkrawalle stattfinden (gerade im Moment h\u00f6re ich wieder den Polizeihubschrauber \u00fcber dem Dach meiner Wohnung kreisen&#8230;), ist prinzipiell ein sehr lebhafter Stadtteil. Divers, so k\u00f6nnte man auch sagen, wenn man in makro\u00f6kologischer Fachsprache zu sprechen versucht ist. <\/p>\n<p align=\"justify\">[<i>Achtung, jetzt kommt ein l\u00e4ngerer Einschub:<\/i><br \/>Eine gute Freundin, Frau S. aus E. im Ww., riet mir, bei meinen Eintr\u00e4gen doch vermehrt von Abs\u00e4tzen Gebrauch zu machen. Dieser konstruktiv kritischen Anmerkung komme ich doch hier gerne nach. Obgleich man &#8211; dies sei allen Kolleginnen und Kollegen der schreibenden oder bloggenden Zunft hier auch mitgegeben &#8211; keinesfalls einen Absatz nur aus einem Satz bestehen lassen sollte. Dies haben uns \u00d6kologiestudenten die Herren Professoren dieses Faches in Marburg immerhin beibringen k\u00f6nnen.<br \/><i>Jetzt geht es weiter.<\/i>]<\/p>\n<p align=\"justify\">Es gibt in N\u00f8rrebro nun also eine bunte Vielfalt von allem M\u00f6glichen. Nationalit\u00e4ten, Berufst\u00e4tigkeiten, Altersklassen und soziale Schichten auf der einen Seite und auf der anderen Seite Fressbuden, Caf\u00e9s, Superm\u00e4rkte, Fleischereien, B\u00e4ckereien, Elektrol\u00e4den, M\u00f6belgesch\u00e4fte, Ramschl\u00e4den etc. weisen eine au\u00dferordentlich hohe Dichte wie auch Diversit\u00e4t auf. Zwei Arten von Gewerben jedoch sind hier, obgleich in ebenso hoher, wenn nicht gar h\u00f6herer Abundanz vertreten, von ungemeiner Uniformit\u00e4t gepr\u00e4gt: Obst- bzw. Gem\u00fcsel\u00e4den und Fris\u00f8re. An jeder Ecke wird man f\u00f6rmlich von Orangen, Zucchini und Mangos erschlagen, und zwischen all den Salatsorten und Petersilienb\u00fcndeln findet man kaum den Eingang. Und jeder Laden hat das selbe Sortiment. <\/p>\n<p align=\"justify\">Die Fris\u00f8rdichte sucht meines Erachtens weltweit ihresgleichen. Und wie die Gem\u00fcsel\u00e4den sind sie fest in der Hand von Ausl&#8230; &#8211; nein, gem\u00e4\u00df der schwierigen Gemengelage aus Antidiskriminierungsgesetz und Politikslangmainstream sagt man ja jetzt &quot;Menschen mit Migrationshintergrund&quot;. Egal &#8211; ich bin ja auch ein Ausl\u00e4nder hier im Staate D\u00e4nemark. Wo waren wir bzw. war ich? Ach ja, beim Fris\u00f8r. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Angesichts dessen, dass es f\u00fcr einen Haarschnitt mal wieder h\u00f6chste Zeit wurde, suchte ich also einen arabischen Fris\u00f8rsalon auf. Dies war ein Erlebnis, das ich doch hier nicht umhin komme ein wenig zu umschreiben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der von mir gew\u00e4hlte Salon ist voll mit wartenden Leuten. Auf den Wartebanken bzw. -st\u00fchlen sitzen diverse Familien mit Kindern verschiedener Altersklassen, eine junge Frau, drei J\u00fcngelchen, die so gerne schon in der Pubert\u00e4t w\u00e4ren, etwas weiter hinten in der coolen Ecke steht ein cooler Typ, der gleichsam wartet. &quot;Original&quot;-D\u00e4nen gibt es hier anscheinend nicht. Der Salon ist zweigeteilt: Wir sitzen in dem Bereich, den ich mal die &quot;offene Abteilung&quot; nenne, die Damen offenbar strengeren islamischen Glaubens mit verh\u00fcllter Haarpracht werden in die &quot;geschlossene Abteilung&quot; geleitet, die dem weiblichen Geschlecht vorbehalten ist. Am \u00dcbergang zwischen beiden Bereichen, der durch einen etwas vergammelten Vorhang markiert ist, steht ein Junge im Trainingsanzug, der so gerne aus der Pubert\u00e4t raus w\u00e4re, der als T\u00fcrsteher abgestellt ist, die Kasse bewacht oder den bereits eselsbeohrten Collegeblock beaufsichtigt, der wohl der Tagesbuchf\u00fchrung dient. Die vollkommene Teilnahmslosigkeit des Kerlchens ist indessen nicht zu \u00fcberbieten &#8211; selbst als ein paar Kollegen (?) oder Schulkameraden (?) o.\u00e4. reinkommen, um ihm kurz Hallo zu sagen, f\u00e4llt es ihm schwer, eine Reaktion zu zeigen. Ich sitze also mich also auf der pl\u00fcschigen, sehr tief liegenden Wartebank und warte. Neben mich setzt sich ein Typ mitsamt einer T\u00fcte Milch und einer Flasche Sonnenblumen\u00f6l. Hierf\u00fcr verlangt er beim &quot;Teilnahmslosen&quot; eine Plastikt\u00fcte, bekommt sie, befreit sie von Haaren und wickelt sein Zeug sehr sorgf\u00e4ltig darin ein. Woraufhin seine Frau (?) aus der geschlossenen Abteilung kommt, ihn sein P\u00e4ckchen in  eine weitere Plastikt\u00fcte stopfen l\u00e4sst und mit ihm abdampft.<br \/>Auf den Behandlungsst\u00fchlen sitzen einerseits inzwischen die junge Frau, die ihr Haar ganz im Sinne Heinz Erhardts heute offen tr\u00e4gt und sich die Spitzen schneiden l\u00e4sst, und andererseits immer noch ein junger Mann, der das Ganzkopf-Pflege-Programm gebucht hat. Dies beinhaltet: Haarschnitt, Haarw\u00e4sche, nochmal Haarw\u00e4sche, Geleinarbeitung [<i>schwieriges Wort, was?<\/i>], Rasur und Bartk\u00fcrzung. Na dann nichts wie ab auf die Piste! Danach bin ich dran. Hilfe! Ich kann weder d\u00e4nisch noch arabisch noch t\u00fcrkisch &#8211; also keine der drei Sprachen, die hier anscheinend gesprochen werden. Nun denn, der junge Friseurmeistergesellenheini, der mich zu bearbeiten gedenkt, versteht offenbar auch ein bisschen englisch: &quot;Short, but not too short in the back and on the sides&quot;. Mal abgesehen davon, dass das grammatisch und vokabul\u00e4r gesehen wahrscheinlich eh nicht korrekt ist, hat er m.E. eher verstanden: &quot;Kurz, und besonders kurz hinten und an den Seiten.&quot; Nun ja. Insgesamt kann sich seine Arbeit aber durchaus sehen lassen, wie ich finde (nein, es gibt hier kein Foto des Machwerks zur Ansicht!). Da wurde ich in Altenkirchen schon schlechter frisiert, zumal f\u00fcr den Preis (100 DKK, was etwa 13,50 Euro entspricht)!   <\/p>\n<p align=\"justify\">Mein Fazit: Ein g\u00fcnstiger Haarschnitt mit faszinierendem interkulturellem Begleitprogramm von hohem Unterhaltungswert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00f8rrebro, der Stadtteil Kopenhagens, in dem zu leben mir verg\u00f6nnt ist und wo derzeit Nacht f\u00fcr Nacht die gro\u00dfen Stra\u00dfenkrawalle stattfinden (gerade im Moment h\u00f6re ich wieder den Polizeihubschrauber \u00fcber dem Dach meiner Wohnung kreisen&#8230;), ist prinzipiell ein sehr lebhafter Stadtteil. 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