{"id":37,"date":"2007-04-01T20:12:15","date_gmt":"2007-04-01T20:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=37"},"modified":"2021-08-06T21:44:19","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:19","slug":"ein-workshop-als-erlebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/04\/01\/ein-workshop-als-erlebnis\/","title":{"rendered":"Ein Workshop als Erlebnis"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"serendipity_imageComment_left\" style=\"width: 83px;\">\n<div class=\"serendipity_imageComment_img\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3195.jpg\"><!-- s9ymdb:37 --><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3195.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a><\/div>\n<div class=\"serendipity_imageComment_txt\">Der Vogelwart in Portugal.<\/div>\n<\/div>\n<p>Hervorragend! So und nicht anders, und das in jederlei Hinsicht, kann man die vergangenen f\u00fcnf Tage zusammenfassen, die mir im Naturpark Noudar zu verbringen verg\u00f6nnt war. Sowohl wissenschaftlich als auch landschaftlich als auch kulinarisch als auch sozial als auch&#8230; war unser Workshop ein Highlight! Mein Madrider Chef <a href=\"http:\/\/www.biochange-lab.eu\/people\/principal-investigator\">Miguel Ara\u00fajo<\/a> hatte dieses Treffen initiiert mit dem Ziel, in ungezwungener Atmosph\u00e4re den unter dem Titel &#8220;A New Research Agenda for Palaeoecology and Macroecology&#8221; zusammengefassten Themenkomplex zu bearbeiten und v.a. zu diskutieren, dar\u00fcber hinaus das gegenseitige Kennenlernen zu erm\u00f6glichen und zu f\u00f6rdern sowie das Ganze schlie\u00dflich als Naturerlebnis zu gestalten, damit gerade die &#8220;Computer\u00f6kologen&#8221;, als die man Makro\u00f6kologen zumeist treffend bezeichnen kann, auch mal erfahren, was das eigentlich ist, das sie an ihren Rechnern und mit ihren statistischen Analysen zu erkl\u00e4ren versuchen. Eine chronologische Wiedergabe verbietet sich hier meiner Ansicht nach aus Platz- und Langweilungsgr\u00fcnden, stattdessen will ich dem interessierten Leser in Form eines eher thematisch strukturierten Textbeitrags einen Einblick in die letzten f\u00fcnf Tage geben.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Naturerlebnis<\/h3>\n<p align=\"justify\">Unsere Zusammenkunft fand inmitten der einmaligen Naturlandschaft des <a href=\"http:\/\/www.parquenoudar.com\/\">Parque de Noudar<\/a> statt &#8211; gelegen an der portugiesisch-spanischen Grenze. Als Unterkunft diente uns ein perfekt ausgestattetes Haus, das wohl mit EU-Mitteln diesen Status erlangte, wie mir berichtet wurde. Neuestes Ikea-Mobiliar, ordentlich renovierte B\u00e4der, gem\u00fctliche &#8220;Sozialr\u00e4ume&#8221;, \u00fcppige Sonnenterrassen und zu allem \u00dcberfluss ein Spitzen-Zeiss-Spektiv, von dessen Vorhandensein wir allerdings erst am letzten Abend in Kenntnis gesetzt wurden, so dass es nicht mehr zur Vogelbeobachtung eingesetzt werden konnte. Lediglich auf frische Fr\u00fchlingstage schien man nicht so recht vorbereitet zu sein &#8211; die Heizkapazit\u00e4ten lie\u00dfen durchaus zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, was angesichts der Temperaturen von unter 10 Grad abends und nachts eine negative Fu\u00dfnote darstellte.<a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3190.jpg\"><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3190.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">F\u00fcr alle Ornithologen und Birdwatcher unter uns hatte die Landschaft auch einiges zu bieten &#8211; angeblich kommen ca. 200 Vogelarten vor. Da wir allerdings die meiste Zeit tags\u00fcber in unserem Tagungsraum sa\u00dfen, und eine lange gemeinsame Wanderung naturgem\u00e4\u00df wenig Raum zum Vogelsuchen l\u00e4sst, bietet meine Liste lediglich eine Zahl von 40 bestimmter Vogelarten. Darunter gab es vier Lifer, also Arten, die ich zum ersten Mal sah: Schlangenadler, Zwergadler, R\u00f6telschwalbe und Einfarbstar. Botanisch Interessierte w\u00e4ren ebenfalls auf ihre Kosten gekommen &#8211; zahlreiche bl\u00fchende Blumen (Iris, Natternkopf, Korbbl\u00fctler in wei\u00df und gelb) und Str\u00e4ucher (5 verschiedene Cistrosen-Arten, Ginster)<a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140.jpg\"><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: right; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a> \u00fcberraschten durch ihre &#8211; frei nach Loriot &#8211; farbenfr\u00f6hlich Frische. Felsen, Dickichte, eisvogelbefischte Flusst\u00e4ler mit Quakfr\u00f6schen, Wasserhahnenfu\u00df und ausgedehnten, flussregenpfeiferbebr\u00fcteten Sandb\u00e4nken, Korkeichenw\u00e4lder, bl\u00fctenreiche Wiesen und Weiden waren die wichtigen Landschaftsbestandteile &#8211; die Bilder im meinem <a href=\"http:\/\/www.fotouristen.de\/ordner\/1456\">Noudar-Ordner<\/a> auf <a href=\"http:\/\/fotouristen.de\/\">www.fotouristen.de<\/a> vermitteln hoffentlich einige Eindr\u00fccke von der Sch\u00f6nheit der Landschaft.<a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140.jpg\"><!-- s9ymdb:38 --><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3190.jpg\"><!-- s9ymdb:36 --><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Sternstunden wissenschaftlichen Austauschs<\/h3>\n<p align=\"justify\">Vom wissenschaftlichen Blickwinkel her bestand das Ziel des Workshops im wesentlichen darin, zwei Fragen zu beleuchten:<\/p>\n<ol>\n<li>Wie k\u00f6nnen fragmenthafte Informationen \u00fcber die Vergangenheit helfen, die Zukunft vorauszusagen?<\/li>\n<li>Wie k\u00f6nnen uns aktuelle Verbreitungen [von Tier- und Pflanzenarten] Informationen \u00fcber die Vergangenheit geben, um so bei der realistischen Vorhersage der Zukunft zu helfen?<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"justify\">Diese Fragen wurden auf verschiedener Ebene angegangen &#8211; sowohl aus disziplin\u00e4r verschiedenen Richtungen als auch auf verschiedenen Fortschrittsniveaus. Vertreter aus drei unterschiedlichen Feldern, namentlich aus Pal\u00e4obotanik und Pal\u00e4ontologie, Makro\u00f6kologie mit einschl\u00e4giger biologisch-zoologischer Basis sowie eher statistisch-theoretisch orientierter Makro\u00f6kologie hatten sich in Portugal eingefunden. Auch &#8220;Fortschrittsniveaus&#8221; k\u00f6nnen in drei Kategorien unterteilt werden: Doktoranden, die z.T. gerade erst ihre Projekte beginnen und jene pr\u00e4sentierten, Postdocs, die sich nach ihrer Promotion in verschiedenen Feldern zu profilieren versuchen und neue Konzepte und Ideen vorstellten, sowie gestandene Wissenschaftler, die \u00fcber die so hei\u00df begehrten &#8220;permanent positions&#8221; verf\u00fcgen und mit einem reichen Erfahrungsschatz eine Synthese bekannten Wissens versuchten und daraus hochinteressante neue Forschungslinien, -richtungen und -ideen ableiteten. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, war dieser Austausch der verschiedenen Disziplinen und Erfahrungslevels au\u00dferordentlich fruchtbar, und weil den Diskussionen erfreulich viel Raum einger\u00e4umt wurde, konnten &#8211; wie sonst selten bei Konferenzen und meetings &#8211; gerade im an die Vortr\u00e4ge anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch viele neue Gedanken entwickelt und Debatten auch zu Ende gef\u00fchrt werden. Die durchaus k\u00fchle (vgl. bereits angesprochenes Heizproblem) Raumatmosph\u00e4re wurde hierbei oft ausgeglichen durch die zwar hoch sachlich-argumentativen, aber ebenso hitzigen und spannenden Diskussionen zwischen den drei &#8220;senior scientists&#8221; <a href=\"http:\/\/www.biochange-lab.eu\/people\/principal-investigator\">Miguel Ara\u00fajo<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.bi.ku.dk\/staff\/person.asp?ID=426\">Carsten Rahbek<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.ecoevol.ufg.br\/lets\/people.htm\">Alexandre Diniz-Filho<\/a>. Wenn sich auch die &#8220;junior scientists&#8221; dabei gelegentlich etwas abgeh\u00e4ngt f\u00fchlten, so vermittelten die drei Herren eindr\u00fccklich, wie was ein intensiver wissenschaftlicher Austausch sowohl an Unterhaltungs- als auch Wissensvermittlungswert zu bieten hat.<\/p>\n<h3>Regionalkulinaria<\/h3>\n<p align=\"justify\">Da das ganze Haus- und Parkkonzept in Richtung \u00d6kotourismus mit starkem regionalem Touch gedacht ist, wurde uns insbesondere allabendlich in hervorragender Art und Weise die Qualit\u00e4t regionaler Produkte vor Augen bzw. in Magen gef\u00fchrt. Einige Highlights waren der butterzarte, pflaumengef\u00fcllte Schweinebraten mit Rosmarinkartoffeln und Butter-Sahnewirsing, gesalzener Dorsch in Gem\u00fcsesuppe, Grillfleisch mit Knoblauchbutterkartoffeln, ein deftiger Eintopf mit viel durchwachsenem Fleisch und kr\u00e4ftigen W\u00fcrsten, kreativ-leckere und gleichsam s\u00fcndhaft s\u00fc\u00dfe Pudding-, Obst- und K\u00e4se-haltige Desserts und guter portugiesischer Wein zu ordentlichem Preis.<\/p>\n<h3>International-Soziales<\/h3>\n<p align=\"justify\">Sieben Nationen von Asien \u00fcber Europa bis Amerika hatte unser kleiner Workshop aufzubieten (D\u00e4nemark, Deutschland, Brasilien, Portugal, Spanien, Mexiko, Indien\/England). So kam man nicht umhin, den einen oder anderen Nationenwitz, zumal beim Abendessen, zum besten zu geben. Ich bem\u00fchte mich hierbei durchaus, dem einen oder anderen Klischee \u00fcber die Deutschen nachzukommen, obwohl ich z.B. mit P\u00fcnktlichkeit gar nicht so viel am Hut habe&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Aufregend war das beinah t\u00e4gliche n\u00e4chtliche Pokerspiel, bei dem ich zwei Mal haushoch verlor und ein Mal haushoch gewann. Schade, dass es nicht um Geld ging. Au\u00dferdem wurden am letzten Abend von den spanischen und mexikanischen Kolleginnen zun\u00e4chst d\u00e4nische Zahlen von eins bis zehn trainiert, danach durfte ich ihnen diese Ziffern noch auf deutsch beibringen, wobei wir in der Tat unheimlich viel Spa\u00df hatten. Auch die lange Wanderung, die wir an Fluss, durch Geb\u00fcsch, Wiesen und Fels unternahmen, verst\u00e4rkte positiv den Zusammenhalt der Gruppe, auch wenn die brasilianischen Statistikspezialisten am Schluss froh waren, einem Herzinfarkt entgangen zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Vogelwart in Portugal. 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