{"id":43,"date":"2012-03-07T10:51:08","date_gmt":"2012-03-07T10:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=43"},"modified":"2021-08-06T21:44:16","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:16","slug":"mobil-im-tuempel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2012\/03\/07\/mobil-im-tuempel\/","title":{"rendered":"Mobil im T\u00fcmpel"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><!-- s9ymdb:160 --><img loading=\"lazy\" width=\"110\" height=\"85\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/Libellula_quadrimaculata_1.thumb.jpg\" style=\"float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" class=\"serendipity_image_left\" \/>Libellen k\u00f6nnen fliegen. Diese Binsenweisheit sollte allgemein bekannt sein. Doch reichen die Flugk\u00fcnste von Binsenjungfer, Blaupfeil und Plattbauch aus, um dem dr\u00e4uenden Klimawandel auszuweichen? Dieser Frage bin ich in einer j\u00fcngst im Fachmagazin <i><a href=\"http:\/\/rsbl.royalsocietypublishing.org\/\">Biology Letters<\/a><\/i> der Royal Society <a href=\"http:\/\/rsbl.royalsocietypublishing.org\/content\/early\/2012\/02\/27\/rsbl.2012.0023.short?rss=1\">erschienenen Studie<\/a> nachgegangen. Es stellte sich heraus, dass Libellenarten, deren Larven in T\u00fcmpeln und Teichen leben, mit dem Klimawandel besser zurechtkommen als ihre in B\u00e4chen und Fl\u00fcssen lebenden Artgenossen. F\u00fcr die Untersuchung, die das Resultat eines Kooperationsprojektes mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, D\u00e4nemark, Spanien und Mexiko, hatten wir anhand von Artverbreitungsmodellen das tats\u00e4chliche und potenzielle Vorkommen europ\u00e4ischer Libellenarten in 2006 mit dem Jahr 1988 verglichen. Besonders freut mich freilich, dass nationale (z.B. <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/campus\/evolutionaerer-vorteil-wer-mobil-ist--ueberlebt,4491992,11771438.html\">die Frankfurter Rundschau<\/a>) und internationale Medien (z.B. <a href=\"http:\/\/www.sciencedaily.com\/releases\/2012\/03\/120305081249.htm\">Science Daily<\/a>) <a href=\"http:\/\/www.bik-f.de\/root\/index.php?page_id=32&#038;ID=619&#038;year=0\">unsere Ergebnisse<\/a> aufgegriffen haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Studie, welche in der Rohfassung bereits Teil meiner Doktorarbeit war, greift die Hypothese auf, dass die Stabilit\u00e4t des Lebensraums die Ausbreitungsf\u00e4higkeit der Arten, die an den jeweiligen Lebensraum angepasst sind, beeinflusst. Auf der Grundlage der Ideen von Ignacio Ribera und Kollegen hatte ich mich bereits zu meiner Zeit an der <a href=\"http:\/\/www.uni-marburg.de\/fb17\/fachgebiete\/oekologie\/tieroekologie\/index_html?language_sync=1\">Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/a> daran gemacht, diese Theorie zu testen. S\u00fc\u00dfwassersysteme eignen sich besonders gut f\u00fcr Untersuchungen auf diesem Gebiet, denn viele wasserbewohnende Tierarten sind auf einen ganz bestimmten Gew\u00e4ssertyp spezialisiert. W\u00e4hrend etwa einige Libellenarten f\u00fcr ihre Larvenentwicklung ausschlie\u00dflich an stehende Gew\u00e4sser (T\u00fcmpel, Teiche und Seen) angepasst sind, sind andere auf Flie\u00dfgew\u00e4sser (B\u00e4che, Fl\u00fcsse) angewiesen. Weiterhin unterscheiden sich die beiden Gew\u00e4ssertypen in ihrer zeitlichen und r\u00e4umlichen Stabilit\u00e4t: Stillgew\u00e4sser wie Teiche und T\u00fcmpel verlanden und verschwinden damit als Lebensraum innerhalb k\u00fcrzerer Zeitr\u00e4ume als B\u00e4che oder Fl\u00fcsse. Um dieses Problem zu kompensieren, sollten T\u00fcmpel- und Teich-Arten eine bessere Ausbreitungsf\u00e4higkeit entwickelt haben als ihre Fluss- und Bach-Verwandtschaft. In verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten haben wir, vor allem in Kooperation mit den Tier\u00f6kologen der Uni Marburg, gezeigt, dass dieses Muster ein robustes ist: So haben etwa Stillgew\u00e4sser-Arten durchschnittlich gr\u00f6\u00dfere Verbreitungsgebiete und haben sich nach der letzten Eiszeit schneller wieder nach Mittel- und Nordeuropa ausgebreitet.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was sagen uns diese Ergebnisse nun mit Blick der rasanten Ver\u00e4nderungen der klimatischen Verh\u00e4ltnisse und der nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume? K\u00f6nnen die Arten dem Klimawandel folgen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Angesichts ihrer Mobilit\u00e4t \u2013 Libellen erreichen Geschwindigkeiten bis zu 40 km pro Stunde und k\u00f6nnen innerhalb weniger Tage bis zu 1000 Kilometer weit fliegen \u2013 wurde bisher angenommen, dass Vierfleck, Smaragdlibelle und Moosjungfer dem Klimawandel durch Ausbreitung erfolgreich trotzen k\u00f6nnen. Da jedoch die Ausbreitungsf\u00e4higkeit von Libellenarten verschiedener Lebensr\u00e4umen ganz offenbar unterschiedlich ist, kann man sie in Bezug auf Anpassung an klimatische Ver\u00e4nderungen nicht einfach \u00fcber einen Kamm scheren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Libellen-Studie ist eine Zusammenarbeit des <a href=\"http:\/\/www.bik-f.de\/\">Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrums Frankfurt (BiK-F)<\/a> mit der <a href=\"http:\/\/www.uni-marburg.de\/fb17\/fachgebiete\/oekologie\/tieroekologie\/index_html\">AG Tier\u00f6kologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/a>, dem <a href=\"http:\/\/cms.ku.dk\/nat-sites\/bio-sites\/macroecology\">Center for Macroecology, Evolution and Climate der University of Copenhagen<\/a>, dem <a href=\"http:\/\/www.ibiochange.mncn.csic.es\/\">Museo Nacional de Ciencias Naturales (CSIC), Madrid<\/a>, und der Universidad Nacional Aut\u00f3noma de Mexico.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news465497\">Studie<\/a>: Hof, C., Br\u00e4ndle, M., Dehling, D.M., Mungu\u00eda, M., Brandl, R., Ara\u00fajo, M.B. &amp; Rahbek, C. (2012). Habitat stability affects dispersal and the ability to track climate change. Biology Letters. doi: 10.1098\/rsbl.2012.0023<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Libellen k\u00f6nnen fliegen. Diese Binsenweisheit sollte allgemein bekannt sein. Doch reichen die Flugk\u00fcnste von Binsenjungfer, Blaupfeil und Plattbauch aus, um dem dr\u00e4uenden Klimawandel auszuweichen? Dieser Frage bin ich in einer j\u00fcngst im Fachmagazin Biology Letters der Royal Society erschienenen Studie nachgegangen. 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