{"id":52,"date":"2007-05-09T22:35:00","date_gmt":"2007-05-09T22:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=52"},"modified":"2021-08-06T21:44:18","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:18","slug":"essen-in-madrid-update-9-mai-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/05\/09\/essen-in-madrid-update-9-mai-2007\/","title":{"rendered":"Essen in Madrid &#8211; update: 9. Mai 2007"},"content":{"rendered":"<p><b>Bisherige Kritiken:<\/b><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<ul>\n<li>Restaurante Esteban<i>: &quot;Dinner for One&quot;-Kellner serviert gutes Schnitzel<\/i><\/li>\n<li>Pizza Jardin: <i>&quot;Verkleisterter Diplomatensalat&quot;<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies ist eine lose Folge von Restaurantkritiken &#8211; hier f\u00fcr Madrid, auf der beizeiten gleichfalls erscheinenden Seite &quot;Essen in Kopenhagen&quot; f\u00fcr &#8230; na? &#8230; erraten: Kopenhagen! <\/p>\n<p>Eingangs sei jedoch bemerkt, dass ich weder ein geschulter Schmecker noch ein ausgewiesener Weinkenner bin. Ich will lediglich einen vollkommen subjektiven kulinarischen Eindruck vermitteln, der sich denn auch nur auf das beziehen kann, was ich tats\u00e4chlich verspeist habe, kann ich es mir doch leider nicht leisten, eine repr\u00e4sentative Auswahl aus der Speisekarte zu verkosten. Wenn ich allerdings mit dieser Blogseite mal so einflussreich bin, dass man mir die Speisekartenauswahl frei Haus gew\u00e4hrt, nach dem Loriotschen Motto &quot;Wenn sie diese Sorte mal verkosten wollen&quot;, w\u00fcrde ich mich durchaus bereit erkl\u00e4ren zur repr\u00e4sentativeren Bewertungen. (Aber auch nur so lange sich mir kein Oberkellner mit dem Angebot &quot;M\u00f6gen Sie Ernst zu mir sagen?&quot; aufdr\u00e4ngt.) <\/p>\n<p>Vielleicht gelingt es mir ja gelegentlich, mit meinen Essenstexten die ebenfalls kulinarisch interessierten Leserinnen und Leser ein wenig zu unterhalten, und wenn sich der eine oder die andere bei einem Besuch in Madrid von meinen Empfehlungen inspiriert oder meinethalben auch gewarnt f\u00fchlt, dann ist das gut so. <\/p>\n<p>Und da wir ja alle Fans von undifferenzierten Notenwerten sind, auch wenn sie eigentlich nicht viel aussagen, liefere ich am Ende jedes Textes eine Beurteilung auf der Skala von 0-15 (15: sehr gut plus, 0: ungen\u00fcgend). So, nun aber guten Appetit! <\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 align=\"justify\">&quot;Dinner for One&quot;-Kellner serviert gutes Schnitzel<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rte-esteban.com\"><b>Restaurante Esteban<\/b><\/a><br \/><i>Cava Baja 36,  28005 Madrid<\/i><\/p>\n<p><i>9. Mai 2007<\/i><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Mit meinen Eltern verschlug es mich mehr oder weniger aus Versehen in dieses Restaurant. Aus Versehen insofern, als wir eigentlich auf der Suche nach einer netten Tapas-Bar in DER Tapas-Bar-Stra\u00dfe Madrids, in der Cava Baja, waren. Ein fl\u00fcchtiger Blick auf die Schaufensterkarte verleitete mich zum voreiligen Schluss, dass dies doch angemessene Preise f\u00fcr ein \u00fcbliches Speisenangebot seien. Also betraten wir das Lokal, welches sich allerdings sogleich als weniger Tapas-Bar als vielmehr gehobenes Speiselokal entpuppte. Nun denn, kaum eingetreten wurden wir von einem der Kellner an einen der \u00fcppig mit Stoffserviette, allerlei Gl\u00e4sern und Besteck ausgestatteten Tische gesetzt. Um uns herum bot sich die Zurschaustellung unz\u00e4hliger Fotografien, Gem\u00e4lde und Radierungen dar, die uns recht schnell schlie\u00dfen lie\u00dfen, dass sich dieses Etablissement mit allen Prominenten (die wir in der Tat fast ausnahmslos nicht erkannten) schm\u00fcckte, denen hier jemals Einlass gew\u00e4hrt wurde. Die Zahl der anfangs nahezu besch\u00e4ftigungslosen Kellner stimmte zun\u00e4chst auch mit der G\u00e4stepopulation \u00fcberein, was der Atmosph\u00e4re, in der eine schwummerige Hintergrundmusik von Fl\u00f6ten, Harfen und Geigen irgendwie fehlte, nicht gerade f\u00f6rderlich war. Brot, Chips und Kroketten wurden sogleich aufgefahren, und auf die Frage nach dem &quot;Vino de la Casa&quot; (ist das nicht italienisch?) wurden wir auf die adrett auf dem Tisch zurechtdrapierten Weinflaschen aufmerksam gemacht, von denen wir den 1998er Rioja w\u00e4hlten, der uns bzw. meinem Vater und mir auch au\u00dferordentlich gut schmeckte &#8211; es war uns denn auch ein leichtes, die Flasche in angemessener Zeit zu leeren. <\/p>\n<p>Zum Essen: Wir hatten ja eigentlich gar nicht viel Hunger. Also bestellte jedes Elternteil eine Vorspeise und ich ein (aus der, sagen wir, mittelochpreisigen Karte) g\u00fcnstigeres Hauptgericht. Und insgesamt war die Auswahl, trotz der Tatsache, dass wir eigentlich die Tapasrichtung einschlagen wollten, mehr als zufriedenstellend. Die Schinkenkroketten, die meine Mutter bestellt hatte, stellten, zusammen mit den Pommes frites, die dazu gereicht wurden, von der Masse her eher eine Hauptspeise dar, so dass Vaters Mischgem\u00fcseteller mit einem teil der Pommes m\u00fctterlicherseits erg\u00e4nzt werden konnte. Mein Schnitzel Wiener Art war genau so, wie es sein muss: Hauchd\u00fcnn, zart, mager, mit goldbrauner, knuspriger Panade, dazu ebenso knusprige und nicht, wie sonst hier oftmals \u00fcblich, fetttriefende Pommes frites. Nochmals betone ich ausdr\u00fccklich, dass der Wein hervorragend war &#8211; trocken, doch leicht und fruchtig und irgendwie genau richtig. Wir waren jedoch zun\u00e4chst sehr gespannt waren, was der gute Tropfen denn wohl auf der Rechnung hinterlassen sollte, hatten wir doch, um nicht vollkommen die touristische Rolle zu spielen, nicht gefragt, was er denn koste. <\/p>\n<p>Gegen Ende unseres Mahls f\u00fcllte sich das Lokal und insbesondere der Raum, in dem auch wir sa\u00dfen, zu einem die gesellige Atmosph\u00e4re positiv beeinflussenden Ausma\u00dfe. Mein Vater entdeckte dann schlie\u00dflich auch zwei Deutsche an der Fotowand: Der eine war der von Frisurwegen her von jeher unverkennbare G\u00fcnter Netzer, der andere war Wolfgang Overath, dazwischen ein hornbebrillter Fu\u00dfballfunktion\u00e4r. Auch diese deutschen Sportgr\u00f6\u00dfen haben also im Restaurante Esteban offenbar schon gespeist &#8211; herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Irgendwann kam dann auch ein Fotograf mit einer riesigen Kamera an die Tische, doch wir und alle anderen G\u00e4ste hielten es offensichtlich nicht f\u00fcr wahrscheinlich, einmal so ber\u00fchmt zu werden, als dass es einmal eine Berechtigung geben w\u00fcrde, uns neben Netzer und Co. an den Nagel zu h\u00e4ngen, so dass das Geknipse g\u00e4nzlich angelehnt wurde. <\/p>\n<p>Eine Erw\u00e4hnung finden muss schlie\u00dflich noch der uns federf\u00fchrend bewirtende Kellner, der meine Mutter bei jedem Vorbeigang mindestens zum Schmunzeln veranlasste, und der meinen Vater messerscharf auf eine mehr als deutliche Analogie zum von uns allen doch so hochgesch\u00e4tzten Dinner-for-One-Ober Freddie Frinton schlie\u00dfen lie\u00df. Dem kann ich nur beipflichten. <\/p>\n<p>Bei vielem Positivem gibt es zwei zu erw\u00e4hnende Mankos: Einerseits das Brot, das wir nicht anr\u00fchrten, welches uns aber trotzdem mit 1,90 Euro pro Nase berechnet wurde, andererseits der &#8211; trotz der hochges\u00e4ttigten Kellnerpopulation &#8211; mangelnde Service hinsichtlich Nachschenkens von Wein und Wasser. Der Preis war, mit allem Drum und Dran, mit ca. 66 Euro durchaus zu verkraften, wobei der Wein lediglich mit 16,80 Euro ins Gewicht viel (ich hatte mit ungef\u00e4hr 30 gerechnet). <\/p>\n<p>Als Gesamtbewertung bekommt das Lokal von mir 12 von 15 m\u00f6glichen Punkten. Allen, die ein bisschen mehr Geld ausgeben wollen und ein klassisch-gehoben-altbackenes Restaurant in Madrid erleben m\u00f6chten, sei das Restaurante Esteban w\u00e4rmstens empfohlen.<\/p>\n<\/div>\n<hr width=\"100%\" size=\"2\" \/>\n<h3>Verkleisterter Diplomatensalat <\/h3>\n<p align=\"justify\"><b>Pizza Jardin<\/b><br \/><i>Goya 5, 28001 Madrid<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\"><i>1. Mai 2007<\/i><i><\/i>\n<\/p>\n<p align=\"justify\">In dieses Lokal machte ich am <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/archives\/44-Tag-der-Arbeit-in-Madrid.html\">Tag der Arbeit<\/a> einen Abstecher, um auf dem Weg<br \/>\nzum Museum vor der Arbeit noch eine kleine St\u00e4rkung zu mir zu nehmen.<br \/>\nViel Hunger hatte ich nicht, aber Appetit, und am Feiertag will man<br \/>\nsich ja auch irgendwie immer was g\u00f6nnen, auch wenn&#8217;s nur &#8216;ne<br \/>\nKleinigkeit sein d\u00fcrfte. Also geriet ich mehr oder weniger ohne gro\u00dfes<br \/>\nSuchen in dieses Lokal, welches wohl Mitglied einer gr\u00f6\u00dferen<br \/>\n-anscheinend italienisch \u00fcberformten- Restaurantkette ist. Zun\u00e4chst<br \/>\nwurde ich &#8211; dies allerdings wegen meiner immer noch d\u00fcrftigen<br \/>\nSpanischkenntnisse, \u00fcber zwei Kellnerinnen hinweg weitergereicht, um<br \/>\nschlie\u00dflich beim Herrn Organisator\/Platzanweiser zu landen, der mir<br \/>\nanhand der Zuweisung eines vollkommen ungem\u00fctlichen Pl\u00e4tzchens in einem<br \/>\nvollkommen leeren Raum (au\u00dfer der Menge eingedeckter Tische, versteht<br \/>\nsich) gleich bedeutete, dass er es lieber gesehen h\u00e4tte, wenn ich zu<br \/>\nmehrt gewesen w\u00e4re. Ich hatte dann auch eine entz\u00fcckende<br \/>\nGlas-S\u00e4ulen-Wand quasi direkt vor&#8217;m Kopp, so dass ich mich ein bisschen<br \/>\nwie hinter schwedischen Gardinen f\u00fchlte. Da ich wie bereits erw\u00e4hnt<br \/>\nnicht so viel Hunger hatte, bestellte ich einen &quot;Ensalada diplom\u00e1tico&quot;,<br \/>\nangeblich eine Empfehlung des Hauses, dazu ein Bier vom Fass. Die<br \/>\nPflanzenteile im Salat selbst waren dann auch gar nicht so schlecht,<br \/>\nweil sehr frisch, die Tomatenanteile waren recht \u00fcppig, wogegen ich<br \/>\nnichts hatte. Weniger \u00fcppig fiel die H\u00e4hnchenbrust aus, die als zarter<br \/>\nHauch von Nichts unter einem Kleister aus Roquefortsauce versch\u00fcttet<br \/>\nwar. Ein Lawinensuchtrupp des THW w\u00e4re durchaus angebracht gewesen.<br \/>\nDar\u00fcberhinaus blieb ich zun\u00e4chst brotlos, bis ich auf Nachfrage doch<br \/>\nnoch paar Kohlenhydrate vom wenig aufmerksamen Service hereingereicht<br \/>\nbekam. Auch war das Brot nicht das allertollste &#8211; die<br \/>\nBaguettescheibchen waren zwar adrett angeschr\u00e4gt geschnitten, doch<br \/>\nmangelte es sowohl an der gew\u00fcnschten hefig-weichen Dichte im Innern<br \/>\nals auch an einer un\u00fcbertriebenen Knusprigkeit im \u00c4u\u00dferen. Die<br \/>\nhilflosen Mini-Toast-Croutons machten die Sache nicht besser. Immerhin<br \/>\nwurde dieses H\u00e4uflein Elend nicht gesondert berechnet. Im Salat fehlte<br \/>\nschlie\u00dflich, au\u00dfer besagter Roquefortkleisterlawine, eigentlich alles<br \/>\nvom \u00fcblicherweise zu erwartenden Nuancenensemble, die so schwierig ja<br \/>\nnun gar nicht in so ein frisches Etwas hineinzuzaubern sind: Keine Spur<br \/>\nvon angemessenem Salzgehalt, von einem Hauch frischer S\u00e4ure, einer<br \/>\nKr\u00e4uternote oder einer Note pfeffriger Sch\u00e4rfe. Und wie dieser<br \/>\nRoquefortkleister zu seinem Geschmack kam, blieb mir auch verborgen,<br \/>\ndenn es war nichts zu entdecken von einem Anflug echten Blauschimmels<br \/>\noder wenigstens des dazugeh\u00f6rigen Blaugr\u00fcngrau. Wie macht man das? Mit<br \/>\nChemie? Keine Ahnung. Zwei Pluspunkte: Das Bier war gro\u00df, frisch<br \/>\ngezapft und schmeckte sehr gut (das habe ich aus einer von Wolfgang<br \/>\nSiebecks letzten ZEIT-Kolumnen abgekupfert ;-), aber es beschreibt die<br \/>\nSache sehr treffend. Und das Ambiente war, abgesehen von meiner<br \/>\nPlatzierung, durchaus ansprechend, man k\u00f6nnte es als hip-stilvolle,<br \/>\nsportliche Eleganz bezeichnen. Immerhin kostete der Spa\u00df insgesamt<br \/>\nweniger als 10 Euro, was es zwar nicht rausrei\u00dft, aber<br \/>\nabmildert. In diesem Sinne: Eine Gesamtbewertung von 7 Punkten (von<br \/>\nm\u00f6glichen 15).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisherige Kritiken: Restaurante Esteban: &quot;Dinner for One&quot;-Kellner serviert gutes Schnitzel Pizza Jardin: &quot;Verkleisterter Diplomatensalat&quot; Dies ist eine lose Folge von Restaurantkritiken &#8211; hier f\u00fcr Madrid, auf der beizeiten gleichfalls erscheinenden Seite &quot;Essen in Kopenhagen&quot; f\u00fcr &#8230; na? &#8230; erraten: Kopenhagen! Eingangs sei jedoch bemerkt, dass ich weder ein geschulter Schmecker noch ein ausgewiesener Weinkenner bin. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/05\/09\/essen-in-madrid-update-9-mai-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;Essen in Madrid &#8211; update: 9. 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