{"id":61,"date":"2007-05-30T22:16:47","date_gmt":"2007-05-30T22:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=61"},"modified":"2021-08-06T21:44:18","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:18","slug":"eine-lanze-fuer-die-taxonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/05\/30\/eine-lanze-fuer-die-taxonomie\/","title":{"rendered":"Eine Lanze f\u00fcr die Taxonomie"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Ich muss brechen. Und zwar die im Titel angedeutete Lanze f\u00fcr Taxonomie und Biodiversit\u00e4tsforschung [1]. Allenthalben werben momentan gro\u00dfe \u00fcberregionale Zeitungen in ansehnlichen Artikeln f\u00fcr die Wissenschaft von der Beschreibung und Systematisierung der Lebewesen. Anlass hierf\u00fcr ist der sich heuer zum 300. Male j\u00e4hrende Geburtstag des schwedischen Botanikers Carolus Linnaeus (sp\u00e4ter Carl von Linn\u00e9), dessen &quot;Systema Naturae&quot; in weiten Teilen bis heute Bestand hat. Ich stimme gerne mit ein in den Chor, der die Wichtigkeit dieser Forschung mit Nachdruck betont. Es ist in der Tat ein Skandal schizophrener Parallelit\u00e4t: W\u00e4hrend jeden Tag mehr Arten f\u00fcr immer von der Erde verschwinden, scheint die Wissenschaft, die jene Arten und ihre Eigenschaften erforscht, zum selben Schicksal verdammt zu sein. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Eine ganze Generation Taxonomen geht gerade in den Ruhestand, ihre Lehrst\u00fchle werden besetzt mit Wissenschaftlern, die den Namen &quot;Zoologe&quot; oder &quot;Botaniker&quot; wohl kaum mehr verdienen &#8211; bleibt ihnen doch, forschend weit weg vom lebenden Objekt in dessen Innerem an Zellen und Organellen sowie deren Prozessen und dergleichen, der Blick auf die Vielfalt der Arten verwehrt. Oder die Professuren werden gleich ganz umgewidmet in Richtung Geno, Nano, Techno. Forschungsgelder sind f\u00fcr viele &quot;klassische&quot; Biologen oftmals ferner als die L\u00e4nder, in die sie reisen m\u00fcssten, um ihr Forschungsmaterial zu beschaffen, den Studenten wird von den frischberufenen Innovativprofessoren jedes Interesse an der Vielfalt der Pflanzen und Tiere madig gemacht, und sie haben gar Recht, wenn man denn die Stellensituation an Universit\u00e4ten und Museen ber\u00fccksichtigt. <\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, dem Kahlschlag an der Vielfalt &#8211; an der wissenschaftlichen wie der biologischen, ein Ende zu machen! Doch m\u00f6chte ich nicht missverstanden werden: Mitnichten pl\u00e4diere ich f\u00fcr ein &quot;Weiter so&quot;. Jede Wissenschaftsdisziplin wandelt sich, so auch die biologische Taxonomie und Systematik. Jeder ernstzunehmende Spezialist dieses Fachs muss heute auch auf moderne Labor- und Computermethoden zur\u00fcckgreifen. Doch muss insbesondere den Stellenk\u00fcrzungen, Professurenverwandlungen und Finanzengp\u00e4ssen Einhalt geboten werden. Nur wenn Studierende und junge Wissenschaftler auch eine pers\u00f6nliche Zukunftsperspektive sehen, werden sie sich wirklich nachhaltig f\u00fcr die biologische Vielfalt, mit all den heute gegebenen methodischen Herausforderungen, begeistern k\u00f6nnen. Und eben dies ist im Zeitalter von Artensterben und Klimaerw\u00e4rmung bitter n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Zukunft von Linn\u00e9s Erben gibt einige Lichtlein am Ende des Tunnels, die in den in den hier angegebenen Artikeln zu erahnen sind. Mit diesem Hoffnungsschimmer empfehle ich einige hervorragende <b>Leseproben<\/b>:<\/p>\n<p>Einer der bedeutendsten Evolutionsbiologen unserer Zeit, der Konstanzer Zoologe Axel Meyer schreibt in der F.A.Z. \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub80665A3C1FA14FB9967DBF46652868E9\/Doc~E68C2D67BC3B0456DBA8DFAF84EAD9823~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&quot;Die Sternstunde, in der die Sch\u00f6pfung ihren Lotsen fand&quot;<\/a> sowie \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub80665A3C1FA14FB9967DBF46652868E9\/Doc~E2192CE46E21C4275B5735FAB041173FA~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Crux der Arten<\/a>, bzw. ihrer Definition.<\/p>\n<p>In der ZEIT schreibt Matthias Glaubrecht, Systematiker und Evolutionsbiologe am Museum f\u00fcr Naturkunde der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/21\/N-Linn\">&quot;Die Erben Linn\u00e9s auf der Roten Liste&quot;<\/a>. <\/p>\n<p>Die S\u00fcddeutsche Zeitung schlie\u00dflich spricht von Linn\u00e9 als <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/artikel\/443\/115328\/\">&quot;Kanzleibeamten des Herrgotts&quot;<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/artikel\/414\/115299\/\">interviewt<\/a> den Pal\u00e4ontologen Reinhold Leinfelder.<\/p>\n<p>Der Artikel &quot;Mit jeder aussterbenden Art verlieren wir Millionen Jahre Evolutionsgeschichte&quot; aus der F.A.Z. vom 26. Mai 2007 l\u00e4sst sich leider kostenfrei online nicht abrufen. Er berichtet \u00fcber die Arbeit von Walter Jetz, in der dieser &quot;das Linn\u00e9sche Projekt mit Gro\u00dfrechner und Geoinformationssystemen weiterf\u00fchrt&quot;. Walter Jetz ist geb\u00fcrtiger Bayer und inzwischen Assistant Professor an der University of California, San Diego. Statt auf den Artikel verweise ich gerne auf die <a href=\"http:\/\/www-biology.ucsd.edu\/labs\/jetz\/index.html\">Homepage seines Labs<\/a>, nicht ohne zu erw\u00e4hnen, dass meine beiden Doktorv\u00e4ter, Carsten Rahbek und Miguel Ara\u00fajo, sowie demn\u00e4chst auch ich eng mit Walter zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Gerne verweise ich auch auf die <a href=\"http:\/\/www.taxonomie-initiative.de\/\">Taxonomie-Initiative<\/a>, die sich die St\u00e4rkung des Faches auf die Fahnen geschrieben hat.<\/p>\n<p \/>\n<p><i>[1] Wer mich und meine humoristischen Vorlieben weniger gut kennt, der sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Ausdruck &quot;Ich muss brechen. Eine Lanze&#8230;&quot; aus dem reichen Fundus der Wortspielereien des unvergessenen Heinz Erhardt entliehen ist.<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss brechen. Und zwar die im Titel angedeutete Lanze f\u00fcr Taxonomie und Biodiversit\u00e4tsforschung [1]. Allenthalben werben momentan gro\u00dfe \u00fcberregionale Zeitungen in ansehnlichen Artikeln f\u00fcr die Wissenschaft von der Beschreibung und Systematisierung der Lebewesen. Anlass hierf\u00fcr ist der sich heuer zum 300. Male j\u00e4hrende Geburtstag des schwedischen Botanikers Carolus Linnaeus (sp\u00e4ter Carl von Linn\u00e9), dessen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/05\/30\/eine-lanze-fuer-die-taxonomie\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;Eine Lanze f\u00fcr die Taxonomie&#8221;<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":929,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61\/revisions\/929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}