{"id":67,"date":"2007-06-24T23:00:04","date_gmt":"2007-06-24T23:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=67"},"modified":"2021-08-06T21:44:18","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:18","slug":"kultureller-schlussdreiklang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/06\/24\/kultureller-schlussdreiklang\/","title":{"rendered":"Kultureller Schlussdreiklang"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4888.jpg\"><!-- s9ymdb:79 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4888.thumb.jpg\" width=\"110\" height=\"83\"><\/a>Meinen zweiw\u00f6chigen Aufenthalt in London konnte ich &#8211; gewisserma\u00dfen in sinnvoller Erg\u00e4nzung zu Wissenschaft und Statistik &#8211; mit einem h\u00f6chst erfreulichen Schlussakkord abschlie\u00dfen in Oper, Theater und Museum.<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3><a href=\"http:\/\/esales.roh.org.uk\/tickets\/production.aspx?pid=229\">Fidelio<\/a><\/h3>\n<p align=\"justify\">Im K\u00f6niglichen Opernhaus Covent Garden wurde am Donnerstagabend<\/p>\n<div class=\"serendipity_imageComment_right\" style=\"width: 83px;\">\n<div class=\"serendipity_imageComment_img\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4909.jpg\"><!-- s9ymdb:77 --><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4909.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a><\/div>\n<div class=\"serendipity_imageComment_txt\">Champag- nerglas- palast des Royal Opera House<\/div>\n<\/div>\n<p>Beethovens &#8220;Fidelio&#8221; gegeben. Als gro\u00dfer Fan von Beethovens Symphonik war ich gespannt auf seine einzige Oper, die mir bis auf die Ouvert\u00fcre g\u00e4nzlich unbekannt war. Und was soll ich sagen &#8211; ich wurde sowohl von Beethoven als auch von den Akteuren dieser, einer der ber\u00fchmtesten Opernb\u00fchne der Welt, restlos begeistert. Nun will ich gleich betonen, dass ich so bewandert in der Opernwelt nicht bin, und so bin ich gar nicht imstande, Fidelio in einen Vergleichskontext zu stellen mit Mozarts oder gar Wagners Opern oder denen der Italiener Verdi, Rossini oder Puccini. Somit ist also mein Eindruck ein rein subjektiver, der ihn mir nicht weniger Wert erscheinen l\u00e4sst, an dieser Stelle geringf\u00fcgig ausgef\u00fchrt zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Chef des Hauses, Antonio Pappano, f\u00fchrte Orchester, Chor und Solisten souver\u00e4n und mit energischem Schlag durch das Werk, und wenngleich der Kiekser beim Einsatz des Hornsolos in der Ouvert\u00fcre ein suboptimaler Start war, lieferte der Orchestergraben eine h\u00f6chst solide Leistung &#8211; ohne dass das &#8220;solide&#8221; den \u00fcblichen negativen Beigeschmack haben soll! Als Chors\u00e4nger, der ich vor zehn Jahren in George Bizets &#8220;Carmen&#8221; mit dem Landesjugendchor und -orchester Rheinland-Pfalz selbst auf der Opernb\u00fchne stand, freut es mich nat\u00fcrlich nicht, wenn der Chor so sp\u00e4rlich eingesetzt ist wie in Beethovens B\u00fchnenwerk, doch da zum einen der Komponist die F\u00e4higkeit des Chores, im Zusammenspiel mit dem Orchester die Zuh\u00f6rer wie kaum ein Solist musikalisch emotional zu durchdringen, in der Gef\u00e4ngnisszene wie im furiosen Schlussbild brilliant zum Einsatz brachte und zum anderen der Chor des Hauses sowie die externen Aufstocker einen fabelhaften Ohrenschmaus ablieferten, verzieh ich dies dem -bekanntlich ohnehin nicht sehr choraffinen- Beethoven gerne. Von den Solisten beeindruckte mich pers\u00f6nlich besonders der Bass von Eric Halvarsson, der als Kerkermeister Rocco auch schauspielerisch \u00fcberzeugte. Roccos Tochter Marzelline verlieh Ailish Tynan ihren zuckers\u00fc\u00dfen Sopran &#8211; ein Gedicht! Doch auch die Hauptrolle der Leonore bzw. des Fidelio (wer hier eine Verwirrung im Genus dieser Dame bzw. dieses Herrn vermutet, der lasse sich vom Libretto oder von einer Zusammenfassung desselben in einem handels\u00fcblichen Opernf\u00fchrer oder aus dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fidelio\">Internet<\/a> auf die Spr\u00fcnge helfen) war mit Karita Mattila hervorragend besetzt. Auch dem kultivierten, doch darob nicht weniger energischen Bariton Terje Stensvolds als Don Pizarro h\u00e4tte man noch l\u00e4nger zuh\u00f6ren k\u00f6nnen. Sauber und mit h\u00f6chst angenehmem Timbre, doch im Ganzen nach meinem Empfinden etwas leidenschaftslos gab Tenor Endrik Wottrich den Florestan. Doch ihm geht es in der Oper wie dem Chor: H\u00e4tte Beethoven ihm ein wenig mehr Raum gegeben, h\u00e4tte er sich vielleicht mit (noch) mehr Engagement entfalten k\u00f6nnen. Dass \u00fcbrigens die Inszenierung von J\u00fcrgen Flimm, mithin recht modern gehalten, inkonsistent und unlogisch sei, wie es das Londoner Magazin Timeout schrieb, kann ich durchaus nicht best\u00e4tigen. Doch fehlt mir dies zu beurteilen vielleicht wirklich mehr Opernerfahrung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun, auch wenn ich noch viel mehr schreiben k\u00f6nnte, um diesem gro\u00dfartigen Abend und dem St\u00fcck, welches auch von politischer Hintergrundspannung strotzt, gerecht zu werden, so unterstreiche ich ausdr\u00fccklich, dass dieses von meinen bisherigen (wenigen) Opernerlebnissen z.B. in Bonn, Kassel, Frankfurt, Hamburg oder Wien, eines der herausragenden war.<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<h3><a href=\"http:\/\/www.openairtheatre.org\/pl37.html\">A Midsummer Night&#8217;s Dream<\/a><\/h3>\n<p align=\"justify\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4890.jpg\"><!-- s9ymdb:81 --><img loading=\"lazy\" style=\"border: 0px none; float: left; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4890.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a>Einmal in London, so muss man doch wenigstens einmal Shakespeare gesehen haben. Das habe ich mir zumindest am letzten Tag in der englischen Haupstadt gedacht, und gesagt getan, begab ich mich am Abend des vergangenen Freitags ins Open Air Theatre inmitten des Regent&#8217;s Park, um nicht nur den singenden Amseln, fl\u00f6tenden M\u00f6nchsgrasm\u00fccken und gurrenden Ringeltauben zu lauschen, sondern insbesondere dieser Kom\u00f6die Shakespeares. Und wenn ich in oben zu lesender Opernbetrachtung bereits von einer gewissen Unkenntnis meinerseits im n\u00e4mlichen Genre schrieb, so steh&#8217; ich hier und kann nicht anders, als zur Kenntnis zu geben, dass sich meine Shakespeare-Kenntnisse gegen Null bewegen. In der Schule blieb mir im Oberstufen-Untergrundkurs Englisch die Lekt\u00fcre jenes wohl Gr\u00f6\u00dften der englischen Autoren verwehrt, und auch im Theater bekam ich ihn bisher nicht zu Gesicht. Meine einzigen Kenntnisse zwei seiner Werke beschr\u00e4nken sich auf die immerhin wohl qualitativ nicht zum schlechtesten geh\u00f6renden Verfilmungen von &#8220;Viel L\u00e4rm um Nichts&#8221; mit Keneth Branagh und Emma Thompson und von &#8220;Romeo und Julia&#8221; mit der bezaubernden Claire Danes und dem jungen Leonardo DiCaprio. Nach solchen L\u00fccken in Shakespeares Erlebnisrepertoire war es denn auch sicher nicht die schlechteste Entscheidung, mir als Originaleinstieg in Shakespeares Werkerfahrung den Sommernachtstraum gew\u00e4hlt zu haben, ist er doch ein leichtverdaulicher Stoff, der zu einem Sommerabend in Londons gepflegtestem Park passt. Nun ja, zum Sommerabend sei die Fu\u00dfnote eingef\u00fcgt, dass dieser ja nun schlie\u00dflich in England stattfand, was ich unschwer daran erkennen konnte, dass nach dem Aussteigen aus der U-Bahn ein Schauer sich seinen Weg aus den Wolken bahnte, so dass ich bereits f\u00fcrchtete, meine achtzehn Pfund f\u00fcr die letzte Reihe w\u00fcrden buchst\u00e4blich ins Wasser (ver)fallen, doch gl\u00fccklicherweise sind Darsteller und Team DER englischen Freilichtb\u00fchne anderes gewohnt als ein paar Tropfen eines solchen Junisch\u00e4uerleins, so dass die Auff\u00fchrung im Regen startete, der aber dann zur Freude aller nach ca. zehn Minuten sein Ende fand.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie auch \u00fcber den Opernabend tags zuvor ist es mir nicht m\u00f6glich, ein b\u00f6ses Wort \u00fcber dieses wunderbare Theatererlebnis zu verlieren. Es war ein Genuss der Extraklasse, die wunderbare Sprache Shakepeares gepaart mit der souver\u00e4nen Leistung des Schauspielerensembles des Open Air Theatre zu erleben. Sicher, nicht jedes Wort war mir zu verstehen verg\u00f6nnt, doch konnte ich dem St\u00fcck besser als gedacht folgen, und war es vor allem lustiger als ich es mir es vorgestellt hatte. Tr\u00e4nen musste ich mehrfach lachend verdr\u00fccken auf Grund der von den Schauspielern brilliant umgesetzten Komik Shakespeares. Wahrlich nachhaltig lehren die Spieler so den Rezipienten vor ihrer Leistung Respekt, gerade in den humorischen Szenen &#8211; hervorgehoben sei hier Ian Talbot, dessen Mimik und Gestik mir un\u00fcbertrefflich schienen. Zu erw\u00e4hnen sind noch der sonorige Schmelz in der Stimme des gro\u00dfartigen Mark Meadows (Theseus und den Oberon), Sam Alexander, der einen hervorragenden Lysander darstellte, und die ebenso komische wie nuancenreiche Hattie Ladbury als Helena.<\/p>\n<p align=\"justify\">Fazit: Meine Lust auf Shakespeare ist nach diesem wunderbaren Abend keinesfalls geringer geworden!<\/p>\n<h3><a href=\"http:\/\/www.tate.org.uk\/modern\/\">Tate Modern<\/a><\/h3>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n<div class=\"serendipity_imageComment_left\" style=\"width: 83px;\">\n<div class=\"serendipity_imageComment_img\"><a class=\"serendipity_image_link\" href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4975.jpg\"><!-- s9ymdb:78 --><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/wp-content\/uploads\/IMG_4975.thumb.jpg\" width=\"83\" height=\"110\"><\/a><\/div>\n<div class=\"serendipity_imageComment_txt\">Die Turbinen- halle, &#8220;Foyer&#8221; des Tate Modern<\/div>\n<\/div>\n<p>Mein letzter Tag in London komplettierte den kulturellen Dreiklang, nach Musik und Schauspiel, noch mit dem letzten wichtigen Teil der K\u00fcnste: Der Bildenden Kunst. Das Tate Modern London ist laut Lonely Planet eines der meistbesuchtesten und bestausgetattetsten Kunstmuseen der Welt, und wenngleich doch einige solcher musealer Prachtexemplare in der Weltstadt London versammelt sind, so w\u00e4hlte ich mir das Tate Modern und verschaffte mir wenigstens f\u00fcr zwei Stunden einen oberfl\u00e4chlichen Eindruck. Und ich kann nur sagen, dass sich die im Reisf\u00fchrer angedeuteten Superlative durchaus best\u00e4tigen lassen. Sei es vom Umfang der Sammlung, sei es von der didaktischen Aufarbeitung oder sei es von der Lage am Ufer der Themse in einer ehemaligen Kraftwerksanlage. Obwohl ich wie gesagt nur f\u00fcr zwei Stunden einige schnelle Blicke in die Dauerausstellung tun konnte (die Dauerausstellung ist \u00fcbrigens gratis, wie auch in allen anderen sich in \u00f6ffentlicher Tr\u00e4gerschaft befindenden Museen Londons), so w\u00fcrde doch eine ausf\u00fchrliche Darstellung an dieser Stelle mehr als zu weit f\u00fchren. Es seien daher nur f\u00fcnf der Kunstwerke, die mir besonders gefielen, genannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Emil Nolde: Meer B<\/li>\n<li>Germaine Richier: Beetles<\/li>\n<li>Wols: Selection from Complete Set of Whole Edgings<\/li>\n<li>Jannis Ronnellis: Untitled (1997)<\/li>\n<li>Henry Moore: Three Points<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\">Allen Londonbesuchern sei schlie\u00dflich das Tate Modern allerw\u00e4rmstens empfohlen, und besonders ein ausreichend gro\u00dfes Zeitfenster, was unbedingt mehr als blo\u00df zwei Stunden \u00f6ffnen sollte.<\/p>\n<p align=\"justify\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meinen zweiw\u00f6chigen Aufenthalt in London konnte ich &#8211; gewisserma\u00dfen in sinnvoller Erg\u00e4nzung zu Wissenschaft und Statistik &#8211; mit einem h\u00f6chst erfreulichen Schlussakkord abschlie\u00dfen in Oper, Theater und Museum.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1232,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67\/revisions\/1232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}