{"id":83,"date":"2007-09-16T22:06:40","date_gmt":"2007-09-16T22:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=83"},"modified":"2021-08-06T21:44:18","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:18","slug":"hochschulpolitische-innovationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2007\/09\/16\/hochschulpolitische-innovationen\/","title":{"rendered":"Hochschulpolitische Innovationen"},"content":{"rendered":"<h3>Drei Thesen zur aktuellen deutschen Hochschulpolitik<\/h3>\n<p align=\"justify\">Dieser Beitrag ist ein leicht abge\u00e4nderter Auszug aus einem Artikel, der im August dieses Jahres als Bericht \u00fcber die Fachtagung <a href=\"http:\/\/www.cusanuswerk.de\/html\/akt\/fr_akt.html\">\u201eWer entscheidet, was neu ist? \u2013 Eliten und Innovation\u201c<\/a> in der CusanerCorrespondenz, der Zeitschrift der Studierenden und Promovierenden im <a href=\"http:\/\/www.cusanuswerk.de\/\">Cusanuswerk<\/a>, erschienen ist. Jene Tagung fand im November 2006 in Berlin statt, und beleuchtete aus verschiedener Perspektive das Thema \u201eInnovationen\u201c in Gesellschaft, Wissenschaft, Ethik und Politik.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im tagungsabschlie\u00dfenden Plenarvortrag besprach Prof. Dr. Peter Funke, seineszeichens Althistoriker in M\u00fcnster, Senatsmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Vorsitzender des <a href=\"http:\/\/www.cusanuswerk.de\/html\/wir\/fr_grem.html\">Beirats des Cusanuswerks<\/a>, dem auch ich f\u00fcr zwei Jahre als studentischer Vertreter angeh\u00f6rte, unter der \u00dcberschrift &quot;Ein Klima f\u00fcr Innovationen&quot; impulsartig einige Highlights deutscher <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/categories\/2-Hochschul-und-Bildungspolitik\">Hochschulpolitik<\/a> und Forschungsf\u00f6rderung. Letztere wird ja von der politischen Klasse nur allzu gerne als Innovationspolitik verstanden, somit und mithin als Br\u00fcckenschlag zum akademischen Alltag der Tagungsteilnehmer war das Thema ein sinnvoller Schlusspunkt. Den zusammengerafften Referatsthesen versuche ich einige \u2013 u.a. durch die Funkeschen Ausf\u00fchrungen inspirierte \u2013 eigene Kommentare zuzuf\u00fcgen, die weder einen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit noch auf Objektivit\u00e4t erheben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<h3>Wissenschaftliche Exzellenz gibt es auch au\u00dferhalb von Initiativ-F\u00f6rderlinien und Profilbildungs-Leuchtt\u00fcrmen!<\/h3>\n<p>Die Exzellenzinitiative des Bundes und der L\u00e4nder bewegt. Und nicht nur Geld: Es werden neue Ideen in neuen Kooperationen zusammengebracht und -gedacht, teils von Forschern, die bis vor kurzem nicht einmal von der Existenz der Disziplin manches neuen Kooperationspartners wussten. Dies ist ein positiver Trend. Dass dieser Trend aber nicht wenige Hochschulrektoren und Wissenschaftsminister dazu treibt, nur noch in profilbildenden Leuchtturmkategorien zu denken, ist bedenklich. F\u00fchrt dies doch dazu, dass der, der nicht ins Cluster passt, tendenziell einfach weggestrichen wird. Und da man ja m\u00f6glichst autonom und entscheidungsstrukturverschlankt sein will, passiert das nat\u00fcrlich in der autonomen Entscheidungskompetenz der Hochschulpr\u00e4sidien, ohne einen Blick auf die Nachbaruniversit\u00e4ten oder \u2013l\u00e4nder zu werfen, der f\u00f6deralisierten Autonomie sei Dank. Doch gerade die Einzeldisziplinen ist oft exzellent, und ihre F\u00f6rderungsw\u00fcrdigkeit ist keineswegs nur daran abzulesen, ob sie auch im Profilkonglomerat eines verclusterten Leuchtturms auf- bzw. unterzugehen imstande ist!<\/p>\n<h3>Forschungsf\u00f6rderung braucht Risikobereitschaft!<\/h3>\n<p>Landauf, landab w\u00fcnschen sich die Wirtschaftsforschungsminister die schnellstm\u00f6gliche Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnis in marktf\u00e4hige, arbeitsplatzgenerierende Produkte. Nun steht es jedem Wissenschaftler frei, sich bei Unternehmen Drittmittel f\u00fcr Projektforschung einzuwerben. Doch erstens verbietet sich eine Einmischung der Geldgeber in die verfassungsverbriefte Freiheit \u00f6ffentlicher Lehre und Forschung, zweitens ist es h\u00f6chst fragw\u00fcrdig, ob die Marktf\u00e4higkeit von Forschung voraussagbar und damit f\u00f6rderbar ist, und drittens soll die \u00f6ffentliche Forschungsf\u00f6rderung sich gef\u00e4lligst nicht am Markt, am Trend oder am Arbeitsplatz orientieren, sondern an disziplin\u00e4rer Exzellenz und an ideengesteuerter Risikobereitschaft von Wissenschaftlern! Funkes Statement, die ausschlie\u00dfliche F\u00f6rderung von Forschung mit schnellem Anwendungsbezug sei in letzter Konsequenz innovationshemmend und F\u00f6rderinstitutionen wie die DFG m\u00fcssten einen Ausgleich zum Profilbildungswahn bieten, ist nachdr\u00fccklich zu unterstreichen.<\/p>\n<h3>Deutschland geht fahrl\u00e4ssig mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs um.<\/h3>\n<p>Wie wahr, wie wahr \u2013 auch <a href=\"http:\/\/www.bi.ku.dk\/staff\/person.asp?ID=485\">ich selbst<\/a> bin ja ein solch vaterlandsloser Braindrain-Geselle. Dass das deutsche Hochschulsystem u.a. aufgrund der nur allzu h\u00e4ufigen G\u00e4ngelung, Befristung, Lehrbelastung, Freiheitsentziehung und Unterbezahlung junger Wissenschaftler vielen anderen L\u00e4ndern in der Anziehungskraft findiger K\u00f6pfe unterlegen ist, muss hier nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Doch nicht genug damit. Die Heranbildung wissenschaftlichen Nachwuchses beginnt schlie\u00dflich schon vor der Promotion und dem sich wacker haltenden Relikt der Habilitation. Dr\u00e4ngt es sich bei obiger These nicht auf, hier auch \u2013 ganz beil\u00e4ufig \u2013 die Frage nach Bildungsgerechtigkeit zu stellen? Kombiniert man einmal munter vier Forderungen bzw. Ziele aktueller Bildungspolitik zusammen, ergibt sich ein h\u00fcbsch schizophrenes Bild: <i>Alle jungen Talente f\u00f6rdern \u2013 Studiengeb\u00fchren einf\u00fchren; Bildungsgerechtigkeit erh\u00f6hen \u2013 Studiengeb\u00fchren einf\u00fchren; Studierendenzahlen steigern \u2013 Studiengeb\u00fchren einf\u00fchren.<\/i> Leidenschaftliche Emp\u00f6rung und ausf\u00fchrliche Argumentationslinien erspare ich mir und den Lesern an dieser Stelle. Eine meiner eigenen Thesen, die ich lieber heute als morgen \u00fcber Bord werfen w\u00fcrde, bleibt jedoch auch hier leider best\u00e4tigt: Im Sturm der deutschen Hochschulpolitik steht die Ignoranz der verantwortlichen Politiker wie ein Fels in der Brandung. Die von der Amtsbezeichnung her zust\u00e4ndige Bundesministerin ist inzwischen bildungspolitisch harmlos \u2013 dank ihrer selbst und der Kollegen, die den deutschen Bildungsflickenteppich im Webrahmen des Europ\u00e4ischen Hochschulraums anhand von F\u00f6deralismusreform und Hochschulautonomie zu perfektionieren wussten und immer noch wissen. Frau Schavans Ziel, Deutschland zur Talentschmiede zu machen, ist indessen ehrenwert. Nimmt sie sich selbst beim Wort, sollte es ihr ein leichtes sein, \u00fcber die  begr\u00fc\u00dfenswerte Erh\u00f6hung der Begabtenf\u00f6rderungsmittel hinaus, u.a. das BAf\u00f6G endlich ordentlich aufzustocken, und (immer mehr) wissenschafts- und nicht marktorientierte Forschungsf\u00f6rderung zu finanzieren. Vor allem aber muss sie ihre Kollegen in den Landesf\u00fcrstent\u00fcmern und insbesondere deren Finanzminister \u00fcberzeugen, dass diese endlich schnell und langfristig mehr Geld f\u00fcr Forschung und Lehre in die Hand nehmen sowie exzellenten Wissenschaftlern und denen, die es werden wollen, die Zukunft nicht verbauen, sondern eine solche erm\u00f6glichen! All das w\u00e4ren Beitr\u00e4ge zu einem (Vorsicht, Politmodephrasen!) <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/categories\/3-Klimawandel\">Klimawandel<\/a> f\u00fcr nachhaltige Innovation, zumindest aber zu einer besseren Wissenschaftspolitik.<\/p>\n<p \/><\/div>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Thesen zur aktuellen deutschen Hochschulpolitik Dieser Beitrag ist ein leicht abge\u00e4nderter Auszug aus einem Artikel, der im August dieses Jahres als Bericht \u00fcber die Fachtagung \u201eWer entscheidet, was neu ist? \u2013 Eliten und Innovation\u201c in der CusanerCorrespondenz, der Zeitschrift der Studierenden und Promovierenden im Cusanuswerk, erschienen ist. 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