{"id":98,"date":"2008-01-15T22:25:53","date_gmt":"2008-01-15T22:25:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelwart.de\/?p=98"},"modified":"2021-08-06T21:44:17","modified_gmt":"2021-08-06T19:44:17","slug":"spanische-aemter-froh-rot-ermattet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2008\/01\/15\/spanische-aemter-froh-rot-ermattet\/","title":{"rendered":"Spanische \u00c4mter: Froh &#8211; rot &#8211; ermattet."},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Endlich! Gestern war es so weit. Mein Termin war gekommen. Nein, es handelt sich nicht um eine Geburt, eine Operation oder eine Audienz beim spanischen K\u00f6nig. Ich berichte hier von einem Termin im Generalkomissariat der spanischen Hauptstadt, namentlich in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, den ich vor mehreren Monaten bekam, um meine Auslandsregistrierung und ebenso eine spanische Steuernummer zu erhalten (die Vorgeschichte ist <a href=\"http:\/\/www.vogelwart.de\/index.php?\/archives\/88-Madrid-hat-mich-wieder!.html\">HIER<\/a> zu finden). Froh und gl\u00fccklich fand ich mich also \u00fcberp\u00fcnktlich vor dem Komissiariatsbau ein. Und schon nahm das Elend seinen Lauf&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Ich bekam, wie erhofft, ohne langes Warten Einlass, erhielt dann am von einem orangepulloverten Herrn hintersessenen Anmeldungstisch ein N\u00fcmmerchen (C 077), das mir sogar sagte, dass sich noch elf Personen vor mir in die recht unbequeme Stuhlreihenwarteschleife gesellt hatten, und ich harrte der Dinge, die da kommen sollten. Es war inzwischen 13:21 Uhr, und ich schaute, grunds\u00e4tzlich guter Dinge, wenn auch durst- und hungrig, zum siebenundzwanzigsten Mal die Unterlagen durch, die mir die Telefondame f\u00fcr eine erfolgreiche Registrierung zu besorgen aufgetragen hatte: Das sorgsam ausgef\u00fcllte Antragsformular EX 16, meinen Personalausweis (vorsichtshalber hatte ich nat\u00fcrlich auch meinen Reisepass bei mir &#8211; man kann ja nie wissen), den \u00dcberweisungsbest\u00e4tigungsbogen Nr. 790, der nachweist, dass ich einige Tage zuvor am Bankschalter die Geb\u00fchr von 6,70 Euro entrichtet hatte, und, gleichfalls der Sicherheit halber, noch einige Passfotos in verschiedenem Format (man kann ja nie wissen). <\/p>\n<p>Gegen 13:43 Uhr wurde ich denn nun also zum Schalter Nummer 8 gerufen, mein Name in der Terminliste zum dritten Mal abgehakt (nach Einlass und N\u00fcmmerchentisch), und da passierte es. Das erste, wonach die unterk\u00fchlte Dame fragte, war eine KOPIE meines Personalausweises. Wie bitte? Davon hatte mir keiner was gesagt! Zumindest nicht die besagte Telefontante, und auch nicht der orangene Heini an dem vor Formularen \u00fcberquillenden Nummerntisch. Gut, ich h\u00e4tte mir ja mal die M\u00fche machen k\u00f6nnen, in den spanisch kleingedruckten Anhang zu den im Internet nach mehrst\u00fcndiger Suche aufzufindenden Antragsb\u00f6gen hineinzulesen, aber sei&#8217;s drum, wir wollen ja hier keine Schuldursachenforschung betreiben, mir fehlt also diese d\u00e4mliche Kopie. <\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man meinen, in einem so riesigen Beh\u00f6rdenbau sei irgendwo ein Kopierer vorhanden. Mitnichten. &quot;Nein, fragen sie mal drau\u00dfen. Aber denken Sie dran, wir schlie\u00dfen um 2&quot;. Es war 13:48 Uhr. Der orangene Typ gab mir unverst\u00e4ndlich Auskunft: Kopierer? Claro. Raus, paar mal links und paar mal rechts, Policia, Kopierer. Absichernd fragte ich den Einlasspolizisten noch einmal, der mir eine \u00e4hnlich unpr\u00e4zise Beschreibung gab. Ich rannte also los, zuerst nach links, dann wieder nach links: Nichts. Zumindest nicht im entferntesten etwas, was nach einer Lokalit\u00e4t mit einer Fotokopiermaschine aussah. Zur\u00fcck, die linke Stra\u00dfe weiter, da: Rechts war die &quot;policia&quot;. Einer der dortigen Hauptwachtmeister schaute mich beim Begriff &quot;fotocopia&quot; leicht erstaunt an, gab mir aber wiederum einen diffusen Hinweis. Ich kam mir inzwischen vor wie bei der Schatzsuche an l\u00e4ngst vergangenen Kindergeburtstagen &#8211; bei jeder Station bekommt man eine vage Andeutung auf die n\u00e4chste Station. Also wieder raus, weitergerast. Ein St\u00fcckchen weiter gab es einen Fotoladen, doch der war, wie k\u00f6nnte es anders sein: geschlossen. 13:52 Uhr. Stra\u00dfe rauf, um die Ecke, wieder runter, vor einem Bus knapp \u00fcber die Stra\u00dfe gehechtet, wieder zur\u00fcck gehechtet &#8211; keinerlei Ahnung. Da: Eine Art Unigeb\u00e4ude mit Studenten davor &#8211; da muss es doch einen Kopierer geben! Drinnen an der Rezeption eine zwar freundliche Dame, die mir aber auch keinen Kopierer bieten konnte, mich aber bereitwillig auf den Fotoladen hinwies, welches Verschlossenheit mir aber ja bereits vorher schon zu entdecken beschert worden war.<\/p>\n<p> Also nochmal die Stra\u00dfe rauf, 13:55 Uhr. Letzter Strohhalm: Eine Bankfiliale. Die Angestellte trug zwar ihr L\u00e4cheln hinter den Lippen, doch war sie bereit, mir eine Kopie zu machen. Dem Himmel (und der Dame) sei Dank. Ich hatte also das Objekt der Begierde! Aber o weh: 13:59 Uhr! Ich lief, was meine Beine trugen &#8211; wobei mein Wollwinterdress inzwischen schon l\u00e4ngst daf\u00fcr gesorgt hatte, dass mein Sch\u00e4del die gleiche Farbe aufwies wie mein knallrotes T-shirt und der gleichfarbige Pullover.<\/p>\n<p>Entsprechend abgehetzt kam ich um 14:03 Uhr wieder am Komissariat an, wo mich der Wartepolizist entweder gleich erkannte oder er angesichts meiner kaum zu beschreibenden Atemlosigkeit wahnsinniges Mitleid hatte &#8211; jedenfalls lie\u00df er mich unumwunden wieder ein, genau wie der Vertreter der orangenen Revolution am Nummerntisch, der mir sogleich ein neues N\u00fcmmerchenzettelchen verpasste (C 086). Gott sei Dank. Ich kam noch dran. Dachte ich. Zun\u00e4chst aber dachte ich eigentlich gar nichts, war aber gl\u00fccklich, dass ich ca. 20 Minuten zum Ausschnaufen hatte, so dass mein Teint von dunkelrot \u00fcber knallrot zu einer frisch-fr\u00f6hlichen F\u00e4rbung gefunden hatte. So f\u00fchlte er sich zumindest an. <\/p>\n<p>Nach ca. 35 Minuten begann ich mir dann, inzwischen wieder zu einigerma\u00dfen klarem Denken f\u00e4hig, Gedanken dar\u00fcber zu machen, warum in dem Raum, wo vorhin alle C-Nummern bearbeitet wurden, nach und nach die Lichter ausgingen und die Damen mit ihren wichtigen Dokumenten, Butterbrotdosen und Wasserflaschen das Weite suchten. Egal, dachte ich, ich habe ja meine Nummer. Nachdenklich machte mich dann nach einigem Gr\u00fcbeln schlie\u00dflich, dass seit eigentlich der gesamten Zeit, w\u00e4hrend der ich nun wieder hier sa\u00df, \u00fcberhaupt keine C-Nummern aufgerufen worden waren, sondern nur E- und inzwischen nur noch T-Nummern. Ebenjene bekamen, so war ich unterdessen (da jeder, der reinkam, bei dem Oranjemann erstmal sein Herkunftsland vermelden musste) messerscharf zu kombinieren imstande, Antragssteller von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union. Zwischenzeitlich hatte sich auch der orangene Nummernheld in den Feieraben verabschiedet und war von einem etwas beleibteren Kollegen, der aus Sicherheitsgr\u00fcnden (wie gesagt: man kann ja nie wissen!) vern\u00fcnftigerweise eine neongelbe Polizeiwarnweste auch im Warteraum trug, ersetzt worden. <\/p>\n<p>Gegen 14:50 Uhr begann an besagtem nun von jenem Warnm\u00e4nnchen verwalteten Tisch eine Diskussion, die von einer aufgebrachten Engl\u00e4nderin angezettelt worden war, die wohl auch seit Ewigkeiten auf ihr Drankommen wartete. Ich gesellte mich wegen einer gewissen dumpfen Ahnung hinzu und stellte fest, dass sie die Nummer C 87 hatte, also noch nach mir dran war. Das machte mich endg\u00fcltig stutzig. Ich konnte den Worten der ziemlich ignoranten Signalboje grob entnehmen, dass wir ja wohl erst nach 14 Uhr gekommen seien und daher logischerweise nicht mehr an die Reihe k\u00e4men. Die Engl\u00e4nderen verstand kaum, also erkl\u00e4rte ich ihr die Sachlage und sie war der Verzweiflung nahe. Das sei nun das zweite Mal, dass ihr das passiere. Aus einem der Schalterzimmer kam nun doch noch eine der schaltenden und waltenden Damen (wobei angesichts ihres Erscheinungsbildes der Begriff Dame sich wohl eher nicht als passend erweist), die uns nochmals, immerhin erkl\u00e4rend auf die Sachlage hinwies: Die C-Schalter seien ab 14 Uhr dicht, wir seien nach 14 Uhr gekommen, daran sei nichts zu \u00e4ndern. Dar\u00fcber, dass sie nicht vielleicht selbst unsere Registrierungen kurzum h\u00e4tte durchf\u00fchren k\u00f6nnen, mich zu echauffieren erspare ich mir an dieser Stelle geflissentlich. Wir m\u00fcssten uns also telefonisch um einen neuen Termin k\u00fcmmern. Wie bitte? Nochmals zwei Monate warten, um dann diesen Saftladen hier abermals ertragen zu m\u00fcssen? Nicht mit mir! Freundlich, aber flehentlich bestimmt wies ich sie darauf hin, dass es ja wohl nicht sein k\u00f6nne, dass wir von Mr. Orange eine Nummer bekommen, dann fast eine Stunde hier rumsitzen und schlie\u00dflich gesagt bekommen, wir seien zu sp\u00e4t. Mit gro\u00dfm\u00fctiger Gestik, aber deutlich angenervtem Ton trug diese Schalterperson uns dann handschriftlich f\u00fcr den morgigen (also heutigen) Tag in die Terminliste ein, und ich ging ermattet meiner Wege. Dass ich dann zu Hause (ich hatte mich entschieden, nicht mehr ins Museum zu fahren, sondern stattdessen daheim zu arbeiten) noch einen mehrst\u00fcndigen Stromausfall erleben durfte, war dann die gelungene Abrundung dieses besch&#8230;enen Tages.<\/p>\n<p>Weitaus fr\u00f6hlicher stimmt mich inzwischen die Tatsache, dass ich seit heute, 9:35 Uhr, im Besitz einer spanischen Steuernummer (&quot;N.I.E.&quot;) bin. Innerhalb von 5 Minuten war, nachdem ich wieder am Mischfarbpullover vorbei war, der mich im \u00fcbrigen noch erkannte und sich erinnerte, dass mir ja gestern eine Kopie gefehlt habe, die Sache erledigt. Endlich!<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"center\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich! Gestern war es so weit. Mein Termin war gekommen. Nein, es handelt sich nicht um eine Geburt, eine Operation oder eine Audienz beim spanischen K\u00f6nig. Ich berichte hier von einem Termin im Generalkomissariat der spanischen Hauptstadt, namentlich in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, den ich vor mehreren Monaten bekam, um meine Auslandsregistrierung und ebenso eine spanische Steuernummer &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/2008\/01\/15\/spanische-aemter-froh-rot-ermattet\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8220;Spanische \u00c4mter: Froh &#8211; rot &#8211; ermattet.&#8221;<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":891,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions\/891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vogelwart.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}