Ihrer Zeit hinterher: Mit Studiengebühren ist kein Staat zu machen

Sunday, October 11. 2015

Einmal mehr hat DIE ZEIT ein Plädoyer für Studiengebühren veröffentlicht. Der Artikel von Thomas Kerstan überrascht durchaus nicht, ist es doch nicht sein erster Beitrag, der dem Bezahlstudium das Wort redet. Gestattet sei mir an dieser Stelle das Wortspiel, dass Deutschlands wichtigste Wochenzeitung ihrer ZEIT diesmal wohl hinterher ist, haben doch alle Bundesländer die zwischenzeitlich erhobenen Gebühren wieder abgeschafft.

Dabei werden die Argumente, die Kerstan und alle anderen Apologeten der Campus-Maut immer wieder vortragen, durch ihre ständige Wiederkehr nicht besser. Es sei eine Gerechtigkeitsfrage, die Profiteure eines Hochschulstudiums angemessen zu beteiligen: Zumeist studierten schließlich die Sprösslinge der Oberschicht, zulasten von Putzfrau und Polier, die dafür ihre Steuergroschen berappen müssten. Außerdem brauche das Hochschulsystem dringend Geld  und  wenn man es technisch richtig mache, würde eine Gebührenpflicht schon niemanden vom Studium abhalten. Meine ehemalige Kommilitonin Caterina Lobenstein, die 2006 in Marburg mit gegen die Gebühren protestiert hat und inzwischen selbst ZEIT-Redakteurin ist, hat im vergangenen Jahr hierzu kurz und knapp wichtiges entgegnet.

Ein wenig mehr gesellschaftlicher Weitblick könnte man aber auch von der ZEIT erwarten: Letztlich zielt  das Thema Studiengebühren nämlich auf die Frage, was eine Gesellschaft sich als Kernaufgaben leisten will und was nicht. Ein funktionierender Rechtsstaat zur Durchsetzung von Recht und Ordnung gehört mit Sicherheit für alle zu diesen Kernaufgaben dazu, ebenso wie beispielsweise der Betrieb öffentlicher Infrastruktur. Wir leisten uns diese Dinge (ebenso wie Theater, öffentliche Krankenhäuser oder das Schulsystem), weil sie essenzielle Errungenschaften, ja Bedingungen für das Funktionieren einer Gesellschaft darstellen. Und hierzu muss auch die Hochschulbildung gehören!

Ganz grundsätzlich: Der gesellschaftliche Anspruch sollte sein, jedem Mitglied der Gesellschaft seinen Talenten, Wünschen und Leistungen entsprechend den bestmöglichen Bildungsweg zu ermöglichen. Denn nur so wird gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme gewährleistet – das, was das Gemeinwesen zusammenhält. Wenn sich die Gesellschaft auf diesen Anspruch und dieses Ziel einigt, und dann natürlich auch darauf, die Kosten hierfür über das Steuersystem bereitzustellen, hat sie gewonnen, denn der Nutzen der Teilhabe überwiegt den materiellen Aufwand – sowohl moralisch als auch ökonomisch.

Studiengebühren verfolgen ein anderes Gesellschafts- und auch Gerechtigkeitsmodell. Es ist das Modell des "jeder ist allein seines Glückes Schmied", welches den Partikularismus befördert und  auf den persönlichen Profit des Individuums fokussiert. Der Nutzen für die Gemeinschaft wird ausgeblendet. Daher darf bezweifelt werden, dass das Gemeinwesen insgesamt von diesem Modell profitiert.

Die Politik ist diesmal der ZEIT voraus: Egal, aus welchen Gründen – sie hat begriffen, dass mit Studiengebühren kein Staat zu machen ist. Vielleicht begreift es Herr Kerstan auch irgendwann. 


Ein deutsches Harvard taugt nicht als Ziel

Saturday, April 25. 2015

Einmal mehr beklagte der ZEIT-Herausgeber Josef Joffe kürzlich das Fehlen deutscher Spitzen-Universitäten nach dem Vorbilde der US-Eliteschmieden Harvard, Stanford und Berkeley oder der britischen Oxbridge-Counterparts. Erst auf Platz 49 des bekannten Shanghai-Rankings tauche mit Heidelberg eine deutsche Alma mater auf, das Gros der hiesigen Universitäten tummle sich weit hinten in der internationalen Rangliste. Das Mittel zur Abhilfe hat Joffe auch gleich ausgemacht: Studiengebühren. Zu Unrecht verteufelt seien sie nicht als Belastung, sondern als Zukunftsinvestition zu begreifen, und nur mit ihnen könne Deutschland aufschließen zur internationalen Exzellenz-Liga.

Geflissentlich vergessen wird von Joffe und all denen, die ohne Unterlass vom deutschen Harvard oder Oxford schwärmen, der Blick auf größere Ganze - das Bildungssystem, auch im Kontext der Gesellschaft insgesamt. Die oben genannten Elite-Universitäten der Vereinigten Staaten und Englands sind ohne Zweifel herausragend in Forschung und Lehre. Doch eine ernsthafte Debatte zur Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems muss den Blick auch und vor allem auf die Landschaft richten, aus der die Leuchttürme herausragen! Zugespitzt: Während der amerikanische und britische Leuchtturmwärter (aka Hochschulrektor) von hochdroben in den Abgrund schaut auf eine wüste Ebene, blicken die Präsidenten der besten deutschen Unis zwar von etwas niedrigerer Warte, doch dafür auf ein Hochplateau in Gestalt eines deutlich breiteren Fundaments recht solider Bildungseinrichtungen (von Gesamtschulen und Gymnasien über Fachhochschulen bis zu zahlreichen sehr ordentlich arbeitenden Universitäten). Und aus diesem Hochplateau ragen viele höchst erfolgreiche und engagierte Forscher und Hochschullehrer hervor. Deren Förderung ist im Sinne des wissenschaftlichen Fortschritts und einer besseren Lehre deutlich nachhaltiger als das prestigegesteuerte Aufpumpen einzelner Großeinrichtungen.

Das soll nicht heißen, dass das deutsche Wissenschaftssystem keiner Reformen bedarf. Es wird gelähmt von chronischer Unterfinanzierung, antiquierten hierarchischen Strukturen und der Perspektivlosigkeit des Nachwuchses. Diese Defizite sind auch Hemmschuhe für den wissenschaftlichen Erfolg: So wird ein schlauer Kopf, der nicht weiß, ob er in einem halben Jahr noch die Miete zahlen kann, kaum Spitzenforschung leisten können. Und ein Mitarbeiter, der von Lehrpflichten erdrückt wird, während die akademischen Rechte nur dem Chef zustehen, wird sich auch nicht vor Motivation überschlagen. Doch diese und andere Probleme zu beheben wird mitnichten gelingen, wenn die Spitze künstlich aufgeblasen wird auf Kosten des Niveaus in der Breite. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Eine bessere Basis produziert auch - mit sinnvoller Förderung und attraktiven Anreizen - mehr Top-Leistungen. Das deutsche Harvard ist nicht mehr als ein griffiges Bild - als Ziel taugt es nicht.









An die Wurzeln! Zur Reform des deutschen Wissenschaftssystems

Sunday, February 15. 2015


Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Jürgen Mittelstraß fordert die Reform des deutschen Wissenschaftssystems. Doch seine radikal anmutenden Vorschläge greifen in letzter Konsequenz zu kurz, solange sie die Ursache der Krise weder benennen noch in Frage stellen: die in ihrer Hierarchie zementierte Struktur des akademischen Systems.



Blick auf den Campus der Frankfurter Goethe-Universität








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Förderungsfehler

Saturday, July 10. 2010

Warum die Bundesregierung mit ihrem Stipendienprogramm auf dem falschen Dampfer ist

Der Bundesrat hat heute einem der Prestige-Objekte der Koalition grünes Licht gegeben: Nach anfänglichen gegenteiligen Signalen aus der Länderkammer haben sich die schwarzen Landesfürsten doch dazu breitschlagen lassen, dem nationalen Stipendienprogramm zuzustimmen.

Dass dies kurz vor einer Änderung der Mehrheitsverhältnisse des Rates (die schwarz-gelbe Regierung aus NRW hat schon längst keine Parlamentsmehrheit mehr hinter sich, gibt aber trotzdem ihre sechs Stimmen für das umstrittene Projekt) geschieht, und nur nachdem die zuständige Ministerin mit reichlich Bundesgeld ihre Argumente unterfütterte, mag ein gewisses G’schmäckle darstellen, welches jedoch nicht vom grundsätzlichen Fehler ablenken soll: Das Stipendienprogramm ist nicht nur sozialpolitisch, sondern langfristig auch wirtschaftspolitisch falsch.



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Zum Wahnsinnigwerden II

Monday, November 30. 2009
Unterstützung für meine Ausführungen erfahre ich übrigens bei SPIEGEL ONLINE, wo der Verlauf der Sendung, die zum Phrasenforum für "Annette ohne Land" verkam, sehr eindrücklich nachgezeichnet wird. Zu finden HIER.

Zum Wahnsinnigwerden

Monday, November 30. 2009

Nun sitz' ich hier und kann nicht anders - als doch was zu bloggen. Da will man als Dissertationsendphasen-geplagter Doktorand am Sonntagabend einen Manuskriptentwurf voranbringen, und was passiert? Für eine Stunde politischer Unterhaltung schaltet man das Erste Deutsche Fernsehen ein, wo Anne Will über die Bildung diskutieren lässt. Und da muss man sich eine Bildungsministerin anhören, die jeden aufmerksamen und am Bildungsthema interessierten Zuhörer an den Rand des Platzens bringen. Annette Schavan ist – angesichts ihrer Machtlosigkeit insbesondere nach der letzten Föderalismusreform – bereits qua Amt der Grüßaugust der Bundesregierung. Doch dass sie diesen Titel mit der Sinnentleertheit ihrer Phrasen nachhaltig untermauert, ist trotz ihrer Parteizugehörigkeit schwerlich zu begreifen. Drei Beispielen ihrer Worthülsen folgen jeweils Kommentare meinerseits, die mir hoffentlich eine geruhsame Nacht ermöglichen.


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Brett vor'm Kopf

Monday, November 3. 2008

Und noch ein Nachtrag: Der geschätzte Kollege m.eik Michalke bewertet sehr zutreffend und wie üblich sehr lesenswert die Pressemitteilung aus dem Hause Schavan zu den Studiengebühren-Studien.


Nun amtlich: Soziale Selektion durch Studiengebühren

Sunday, November 2. 2008
Endlich hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Studie des Hochschul-Informationssystems (HIS) "freigegeben" (die Unterverschlusshaltung des Werks thematisierte ich bereits). Jedem und jeder an Hochschul-, Bildungs- und Sozialpolitik Interessierten sei mindestens die Zusammenfassung der offenbar außerordentlich fundierten und emotionsfreien wie statistisch untermauerten Untersuchung ans Herz gelegt. Ausdrücklich zu betonen ist, dass es sich um eine repräsentative Studie handelt, was letztendlich bedeutet, dass die Ergebnisse für alle Studienanfänger des Jahrgangs 2006/2007 Aussagekraft besitzen. Drei Zitate aus der Zusammenfassung der HIS-Studie seien hier angeführt, bevor ich mich einem Kommentar zum Kommentar eines geschätzten Marburger Kollegen zu meinem letzten Beitrag widme.
  • Zitat Nr. 1: "Durch die Einführung von Studiengebühren verzichtet eine nennenswerte Zahl von Studienberechtigten auf das ursprünglich beabsichtigte Studium (Jahrgang 2006: zwischen 6.000 und 18.000). Insbesondere Frauen und Studienberechtigte aus hochschulfernen Elternhäusern entscheidensich aufgrund von Studiengebühren gegen ein Studium." (S. 1)
  • Zitat Nr. 2: "Finanzielle Restriktionen bilden eine zentrale Motivgruppe unter den Gründen, die von der Aufnahme eines Studiums abhalten." (S. 2)
  • Zitat Nr. 3: "Studienberechtigte, von denen mindestens ein Elternteil ein Universitätsstudium abgeschlossen hat, lassen sich von Studiengebühren deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen als Studienberechtigte anderer sozialer Herkunftsgruppen." (S. 2)

Allein diese drei zusammenfassenden Aussagen sind ein schwarz auf weiß dokumentiertes Desaster für die
Politik des BMBF, der Ministerin und vieler ihrer schwarzen und gelben Kollegen
in den Ländern. Und freilich erwähnt  die Pressemitteilung des Ministeriums die nun belegte sozialselektive Wirkung der Gebühren natürlich in keiner Weise - der Titel der Pressemitteilung "Studierende erwarten Qualität fürs Geld" entbehrt nicht einer gewissen Armseligkeit. Der Bewertung jenes Pressetextes einer gleichfalls geschätzten Kollegin aus meinen aktiven hochschulpolitischen Zeiten, "Man kann sich auch alles schönreden", ist nichts hinzuzufügen.

Die HIS-Studie "Studiengebühren aus der Sicht von Studienberechtigten. - Finanzierung und Auswirkungen auf Studienpläne und -strategien" kann HIER in vollem Umfang heruntergeladen und nachgelesen werden.

Und nun zum Kommentar zum Kommentar:



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Raus damit, Schluss damit!

Tuesday, October 21. 2008

Ein aktuelles Studiengebühren-Schlaglicht

Mehr Empörung als Genugtuung wird heute jeder empfunden haben, dem die Bildungschangen und Gerechtigkeit am Herzen liegt. Nach einer dpa-Meldung war in allen großen Online-Medien (vgl. z.B. tagesschau.de) zu lesen, dass das Bundesbildungsministerin Schavan seit Wochen eine Studie unter Verschluss hält, die belegt, dass Studiengebühren vom Studium abschrecken. Konkret zeigt die Untersuchung des in Wissenschafts- wie hochschulpolitischen Kreisen anerkannten Hochschulinformationssystems (HIS), dass beispielsweise vom Abitur-Jahrgang 2006 18.000 (!) junge Menschen wegen der Gebühren kein Studium aufnahmen. Im Vergleich zu 2003 habe es im vergangenem Jahr wegen der starken Jahrgänge bundesweit zwar 17 Prozent mehr junge Menschen mit Hochschulreife, gleichzeitig aber fünf Prozent weniger Studienanfänger gegeben, heißt es.

Genugtuung empfinde ich in der Tat ein wenig, wenn ich als erklärter (und begründeter!) Studiengebühren-Gegner nun all die Argumente, die wir seit Jahren gegen das Bezahlstudium vortragen, durch eine repräsentative Umfrage eines renommierten Instituts bestätigt weiß. Doch die Empörung überwiegt, insbesondere über das Reden und Handeln von Ministerin Schavan. Ich habe noch ihre Rede in der Haushaltsdebatte des Bundestages vom vergangenen Jahr im Ohr. Da sagte sie, an die Contra-Gebühren-Fraktionen der SPD, der Grünen und der Linkspartei gewandt: "Seien Sie froh, dass ich für die Hochschulen keine Entscheidungskompetenz habe, denn wenn ich sie hätte, dann gäbe es überall Studiengebühren. Denn ihre Einführung ist schlicht eine Frage der Gerechtigkeit." Frau Dr. Schavan, ich rufe Ihnen zu: Sie irren! Und zwar ganz gewaltig irren Sie. Die Abschaffung der Campus-Maut ist eine Frage der Gerechtigkeit! Und neben den vielen sozialen und solidarischen Argumenten liegt es im Interesse unseres Landes - der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft - wenn nicht elterliche Geldbeutel über den Zugang zu Bildung entscheiden. Und dass sich letztere Tendenz jüngst verschlimmert hat, ist ja nun belegt. Rufen Sie Ihre Kollegen in den Ländern zur Ordnung und vor allem zur Vernunft: Machen Sie Schluss mit dem Bezahlstudium! Und vor allen Dingen: Geben Sie die wenigstens mal die Studie raus! Sie und die Kanzlerin tun sich doch keinen Gefallen damit, wenn Sie am Mittwoch auf dem Bildungsgipfel die üblichen Sonntagsreden ("Bildungsrepublik Deutschland) schwingen, während die Zahlen, die Ihre Staatssekretäre im Ministerium unter Verschluss bebrüten (wahrscheinlich in der Hoffnung, dass aus ihnen noch was in Ihrem Sinne entschlüpft), glasklar belegen, dass Ihr Reden und Handeln so wenig zusammenpassen wie eine Legebatterie und ein gesundes Huhn. Mit Ehrlichkeit, Vernunft und einer ordentlichen Portion solidarischen Gespürs wird aus der Bildungsdebatte erst wieder ein Vogel, der fliegt - und zwar in Richtung Zukunft!


Koch - "Schweinerei", "hinterfotzig"

Saturday, January 26. 2008

Ungewöhnlich dezidierte Schützenhilfe im Sinne der Hoffnung, dass die hessische CDU am kommenden Sonntag die Landtagswahl nicht gewinnt, erfahre ich im Leitartikel der aktuellen ZEIT. Bernd Ulrich, seineszeichens stellvertrender Chefredakteur des renommierten Blattes, geht hier mit dem Wahlkampf des Ministerpräsidenten erstaunlich scharf ins Gericht - doch vollkommen gerechtfertigt.



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Hessen wählt - Koch geht. Hoffentlich!

Monday, January 21. 2008

Am Sonntag wählen die hessischen Wahlberechtigten einen neuen Landtag. Daraus, dass ich hoffe, dass die CDU-Landesregierung mit Pauken und Trompeten abgewählt wird, mache ich keinerlei Hehl - im Gegenteil.

[Einen Beitrag zur Armseligkeit des CDU-Wahlkampfs finden Sie übrigens hier - insbesondere mit einer unterhaltsamen Bildsatire]


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Deutsche Fußtritte für Menschenrechte

Thursday, October 11. 2007

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in einem bemerkenswerten Urteil festgestellt, dass der UN-Sozialpakt, der als völkerrechtlicher Vertrag im Jahr 1973 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde und somit den Rang eines Bundesgesetzes erhielt, "weder darauf angelegt noch geeignet [sei], innerstaatlich als unmittelbar geltendes Recht angewandt zu werden." Zugespitzt übersetzt bedeutet dies: Die von Deutschland unterschriebenen Menschenrechte sind Absichtserklärungshülsen, die letztlich keine juristische Verwertbarkeit besitzen.

Da frage ich mich: Wo leben wir eigentlich?



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Bildungsohrfeige

Saturday, September 22. 2007

Nun werden manche sagen: "War doch klar". Natürlich! Selbst hier auf meinem Blog gibt es doch schon einige Beiträge, die die deutsche Hochschulpolitik mannigfaltig ins Kreuzfeuer nimmt. Doch wenn nun die OECD zum wiederholten Male darauf aufmerksam macht, auf welcher sozialen Schieflage sich das Bildungssystem befindet und wie verantwortungslos Deutschland mit seiner Zukunft umgeht, dann werfe man nicht die Flinte ins Korn, sondern rufe aus: Politiker, hört die Signale, fangt endlich an zu handeln!



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Hochschulpolitische Innovationen

Monday, September 17. 2007

Drei Thesen zur aktuellen deutschen Hochschulpolitik

Dieser Beitrag ist ein leicht abgeänderter Auszug aus einem Artikel, der im August dieses Jahres als Bericht über die Fachtagung „Wer entscheidet, was neu ist? – Eliten und Innovation“ in der CusanerCorrespondenz, der Zeitschrift der Studierenden und Promovierenden im Cusanuswerk, erschienen ist. Jene Tagung fand im November 2006 in Berlin statt, und beleuchtete aus verschiedener Perspektive das Thema „Innovationen“ in Gesellschaft, Wissenschaft, Ethik und Politik.

Im tagungsabschließenden Plenarvortrag besprach Prof. Dr. Peter Funke, seineszeichens Althistoriker in Münster, Senatsmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Vorsitzender des Beirats des Cusanuswerks, dem auch ich für zwei Jahre als studentischer Vertreter angehörte, unter der Überschrift "Ein Klima für Innovationen" impulsartig einige Highlights deutscher Hochschulpolitik und Forschungsförderung. Letztere wird ja von der politischen Klasse nur allzu gerne als Innovationspolitik verstanden, somit und mithin als Brückenschlag zum akademischen Alltag der Tagungsteilnehmer war das Thema ein sinnvoller Schlusspunkt. Den zusammengerafften Referatsthesen versuche ich einige – u.a. durch die Funkeschen Ausführungen inspirierte – eigene Kommentare zuzufügen, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Objektivität erheben.


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Studiengebühren: Entlarvender Stern und verblendete Wirtschafswoche

Thursday, July 12. 2007

Heute kann ich nicht umhin, die hochschulpolitisch interessierten Blogleser auf zwei jüngst online erschienene Artikel des Stern und der Wirtschaftswoche aufmerksam zu machen. Vorweg nur so viel: Stern gut, WiWo schlecht.


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